Salonvortrag in Jena am 16. September 2016



 


Matrifokal(ität) oder Postpatriarchat? - Müssen wir eine menschliche Zukunft neu erfinden oder besinnen wir uns einfach auf unser artgerechtes Menschsein? 

Eine evolutionsphilosophische Betrachtung von Stephanie Ursula Gogolin







Gliederung

Erster Teil: Wie alles begann … eine grundlegende Betrachtung zur lebendigen Matrifokalität
 

Zweiter Teil: Die Entstehung des Matrifokals – eine Theorie

Dritter Teil: „wir wurden alt, wir wurden jung, wir wurden intelligent“
 

Vierter Teil: Elefanten und andere und das menschliche Matrifokal

Fünfter Teil:
Geschwister, die verlorenen Bindungsgefährten - Alle Menschen sind Geschwister

Sechster Teil: Der Vater des Gedankens oder patri versus matri

Siebenter Teil: Das natürliche Matrifokal oder ein surrogater Wahlklan?

Schlussgedanken: Eine Zukunftsvision – die Wiederentdeckung des artgerechten Menschseins





Salonvortrag Teil I - Wie alles begann … eine grundlegende Betrachtung zur lebendigen Matrifokalität

'Das Leben' auf unserer Welt ist ein Phänomen, das sich dadurch auszeichnet, dass es a) existiert und b) den immanenten (unwillkürlichen) Drang besitzt weiter zu existieren. Und um 'weiter zu existieren' arrangiert sich jedwede Lebensform mit den gegebenen Umweltbedingungen und passt sich diesen permanent an (oder geht zugrunde).

'Das Leben' ist das gigantische Spektrum an (organischen) Lebewesen, mit denen unser kleiner Planet überzogen ist - im Wasser, im Erdreich, auf dem Erdboden und in der Luft. So entstanden alle sich gegenseitig beeinflussenden Effekte, die 'das Leben' in all seiner Vielfalt erhalten und überleben lassen. Ein vorhandenes Regulativ in diesem Zusammenhang ist die natürliche, also unwillkürliche Selektion – der dumme Zufall oder die Unvorhersehbarkeit - selbst in dem, uns scheinbar geordneten Chaos (Naturgesetze).

'Das Leben' hat sich die vorhandene materielle Grundausstattung der Erde, die physikalischen und chemischen Bedingungen und selbstredend alle kosmischen Einwirkungen (Sonne, Mond, Strahlung usw.) jeweils zu Nutze gemacht oder sich in seiner Existenz darauf abgestimmt. Es bildete sich das komplexe Erdeigene, sich ständig verändernde und auf allen energetischen Ebenen kommunizierende (Öko)System. Auch die sich durch das Leben selbst verändernden klimatischen Bedingungen werden zum (sozusagen eigenen) Vorteil genutzt und in das Anpassungssystem eingebaut. Wir könnten sagen „es“ änderte die Lebensbedingungen zum Wohl des gesamten Lebens (z.B. den Sauerstoffanteil). Und natürlich passierte es natürlich - ohne eine dahinter stehende Absicht, ohne einen weitreichenden Plan nur aus dem inneren Drang heraus als Individuum zu überleben (Selbsterhalt) und als aktuelle Art weiter zu bestehen (Arterhalt). Nichts ist hier dauerhaft oder dogmatisch. Jedes Individuum ist einzigartig und das Fortbestehen eine ununterbrochene (epigenetische) Form der Anpassung und damit im Fluss einer steten Veränderung. Wir nennen es auch Evolution – ein sich wandelndes Da-Sein - unwillkürlich, komplex, kompliziert, ein Ablauf in der Zeit, der einfach geschieht … auch wenn das für manche Zeitgenossen absolut nicht vorstellbar ist und diese von einer göttlichen und damit vorsätzlichen Intervention ausgehen, das Leben ist (aus meiner Sicht) keine Schöpfung, sondern ein Geschehen. Und solange in dieser Welt kein Wesen versuchte einen steuernden Sinn, als das Leben selbst, dahinter zu suchen und zu dogmatisieren, war im evolutionären Sinn quasi alles in Ordnung.

Das Leben ist ein sich selbst organisierendes System und der systemimmanente Trieb der Anpassung ist somit eine naturgemäße permanente Reaktion der Artenvielfalt. Jedenfalls erwuchs daraus (und passte sich an und mutierte gelegentlich) der gesamte spezifische Arterhalt der jeweiligen Lebensformen. Auch die noch junge Art Mensch besitzt gegenüber den anderen eine besondere, eben eine arteigene, Strategie sich als Spezies zu ver- und zu erhalten. Hierbei dürfen wir jedoch nicht von einer solitären Eigenkreation ausgehen, sondern lediglich darin die Weiterentwicklung erkennen, die aus den vorangegangenen Erbteilen der Wesen hervorging, die sich schon seit Millionen von Jahren mit den Bedingungen auf unserem kleinen blauen Planeten arrangierten.
Wir lebten Jahrtausende lang artgerecht … etwas anderes wäre auch gar nicht möglich gewesen!
(Es ist mit unserem Kulturhintergrund nicht verwunderlich, dass im Allgemeinen das Wort „artgerecht“, das ich in meinen Texten gern verwende, auf einen gewissen Widerstand stößt. Den Begriff „artgerecht“ kennen wir zuerst aus der Tierhaltung und es dauerte bis man den Begriff auch auf das Menschendasein anzuwenden begann. Aber inzwischen ist der Begriff „artgerecht“ bereits als Selbstverständnis unterwegs.)

Derzeit beschreibt 'artgerecht' vor allem die Tatsache, dass sich der moderne und im besonderen der patriarchal konditionierte, Mensch immer weniger 'artgerecht' verhält. Denn noch sieht sich der (patriarchale) Mann weiterhin als die Krone einer obskuren Schöpfung und hier macht die patriarchal konditionierte Frau nicht wirklich eine Ausnahme. Sich über das naturgemäße 'Biosein' zu erheben, mit Sätzen wie: 'der Mensch ist mehr als nur seine Biologie, er ist auch Geist…' (ein gern geäußerter salopper Spruch) ist daher immer noch sehr beliebt. Als ob 'Geist' keine Form der Biologie wäre. Den Menschen schlicht und einfach als zugehörige Spezies der Säugetierwelt zu begreifen, thematisiert so manch EineR nicht gern. Und obwohl wir es längst wissen, dass wir unsere evo-biotische, also unsere lebendige Grundausstattung, von den voran gegangenen Arten ererbt haben, ist die evolutionäre Nähe zu den (nicht menschlichen) Tieren für manche schwer zu ertragen. Als Säugetierspezies Mensch erarbeiteten wir uns einst Fähigkeiten, die uns deutlich von anderen Arten unterscheiden und die unser Profil als derzeit letzte Menschenart ausmachen.

Wie alles begann
Der unbedingte Hang zur fürsorgenden Bindungsgemeinschaft (beider Geschlechter auf der Grundlage des konsanguinen* Angehörigsein), die Kooperation in den alltäglichen Verrichtungen zum Erhalt eines jedes in der Gruppe geborgenen Individuums und die (dadurch gewachsene) Intelligenz, hat uns, die Menschen, zu einer Art gemacht, die so ihre bestimmten Spezifika entwickelte und bewahrte.
Diese sind bis jetzt basal und greifen immer noch, also auch beim derzeitigen neo-evolutionären Menschen. Die natürliche und kulturell praktizierte Lebensweise der verschiedenen Menschenarten** war die angemessene sprich 'artgerechte' Daseinsform, die als Lebensstrategie zur erfolgreichen Verbreitung führte. Fast zu erfolgreich, möchte frau manchmal meinen. Jedenfalls brachte die Menschenspezies immer genügend Nachwuchs hervor und schaffte es ihre Kinder erwachsen werden zu lassen, um als gesamte Art zu überleben und sich weiterzuentwickeln.

(* konsanguin bedeutet hier verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie
(** es gab, wie wir wissen, mehrere, von denen bis auf eine alle ausgestorben sind bzw. sie wurden zum Teil assimiliert

Dem Nachwuchs wurde in den vom Menschen praktizierten Sozialgemeinschaften die Gelegenheit gegeben sich nicht nur quantitativ sondern auch "qualitativ", also intelligent, zu entwickeln. Das Aufziehen der Kinder und der Erhalt der sozialen Sippenstrukturen gelang wahrscheinlich um so erfolgreicher und nachhaltiger, je mehr die Mensch in Kooperation mit ihren Schwestern und Brüdern Kulturtechniken ersann und anwendete. Das naturgemäß vorhandene Matrifokal erhielt sich offensichtlich um so besser, je mehr es sich innerhalb der Fürsorgegruppe kultivierte.

Kulturerrungenschaften gingen (auch als epigenetische Konsequenz) als abrufbarer Effekt in den Intelligenzpool ein (z.B. kann quasi jedes Menschenkind lesen lernen). Auch andere (Tier)Arten verfügen über verschiedene Fähigkeiten, die beim Menschen schon als Kultur bezeichnet werden, wie zum Beispiel Tricks, die ihnen helfen besser an Nahrung zu kommen (Primaten, Rabenvögel). Raffinierte Nester sowie sichere Unterkünfte zu bauen, diente den Menschen ab einem gewissen Punkt sogar als Vorlage für eigene Strategien. Die Menschenspezies wuchs in und mit der vorhandene Naturvielfalt auf und es ist ein arteigenes Merkmal sich auch Überlebensstrategien anderer Spezies zu eigen zu machen. Sie guckten sich diese gezielt von anderen ab... denn Menschen können hervorragend nachäffen der evolutionäre Vorteil unserer Spezies schlechthin. 
 (Die Epigenetik sorgt dabei für den Erhalt der hinzukommenden Fähigkeiten, so dass wir bis heute mit dem ungeheuren Repertoire an nutzbaren Anlagen geboren werden und diese je nach Kulturkreis abrufen können. In den unterschiedlichen Klimazonen und unter dem Eindruck verschiedener Kulturen werden verschiedene Überlebensmöglichkeit gebraucht. Ein Kind, das beispielsweise in einem richtigen Dschungel groß wird, entfaltet und trainiert andere Anlagen als eines das im Großstadtdschungel aufwächst.)

Das natürliche Matrifokal als Verstärker der menschlichen Intelligenz
Der Begriff menschen'artgerecht' umfasst viele Aspekte und ist kein ideologischer Biologismus. Denn es gilt natürlich eines: die biologischen Grundlagen waren/sind zuerst da. 
Daraus entwickelte sich eine für die Spezies sinnvolle natürliche Art zu leben. Und bevor 'der Mensch' sich zum Kulturwesen spezialisierte und sich die Welt zu erklären begann bzw. sie in seinem teilweise beschränkten Verständnis interpretierte, ging alles einfach nur naturgemäß zu. Gruppierungen, die von dem bisherigen Artverhalten abwichen, gingen unter oder machten neue Erfahrungen, die auf Grund des spezifischen Erinnerungsvermögen und einer aktiven Kommunikation in das kollektive Gedächtnis eingingen. Durch die Entwicklung von komplexen Sprachen bekam das Kollektivgedächtnis vermutlich eine besondere, zunehmend breiter angelegte Bedeutung.

Kommuniziert wurde im unmittelbaren Nähe-Kreis, in Reichweite, also soweit die Sinne der Individuen reichten und sie miteinander verbanden. Die artikulierte Sprache wurde mehr und mehr zum nachhaltigen Effekt um und innerhalb der arterhaltenden Strategie. Der jeweilige Arterhalt umfasst bzw. ist untrennbar mit ihm verknüpft, dem Selbsterhalt (individuell und speziell beim Menschen auch kollektiv angelegten)Verantwortungsvolles Beachten und Unterstützen der angehörigen Gruppenmitglieder, den matrilinearen Sipplingen*, kommen dem Individuum genauso zu Gute wie der gesamten Gruppe. Die in der aktiven Schutzsphäre 'Matrifokal' gebündelte Zuwendung der sich gegenseitig versorgenden Bezugspersonen lösten immer wieder den Synergieeffekt aus, der sich auch als Intelligenzfördernd erweist.

(* ...besonders intensiv beim Menschen, denn auch verschiedene Tierarten sind zu persönlichen Beziehungen fähig

Die maßgebliche arteigene Strategie des Überlebens der menschlichen Spezies ist das Zusammenleben der frühen Menschen in der mobilen Schutzsphäre eines natürlichen Matrifokal. Es ist wahrscheinlich die explizit abweichenste Varietät anderen Säugetierspezies gegenüber, da beide (konsanguin verwandten) Geschlechter lebenslang in eine Fürsorgegemeinschaft personell eingebunden sind.

Da sich hier eine personenbezogene Angehörigenbindung etablierte, beruhend auf einer intensiven Mutter-Kind-Bindung, bildete sich die, über ein Gegenwartsempfinden hinausgehende Zugehörigkeit unter den konsanguinen Verwandten (Ahninnenbewusstheit), das die Vergangenheit umfasst (kollektive Erinnerungen) und in die Zukunft reicht (abstraktes „Erinnern“). Dieser erinnerte (epigenetische) und ab einem gewissen Punkt bewusst registrierte Effekt, führte zu nachhaltiger Verlässlichkeit innerhalb der Gruppe.

Es wurde zum Erbteil sich seiner Angehörigenbindung bewusst zu werden und drückt sich bis heute in dem Drang aus, einer Bindungs- oder zumindest Sozialgemeinschaft anzugehören* - es ist der essentielle Zugehörigkeitsdrang der Spezies Mensch, der das Überleben garantierte. Dieses menschenspezifische Zugehörigkeitempfinden ist ein Ausdruck der Überlebensstrategie und bildete die Basis für das matrifokal geprägte Kontinuum (Synonym für die mütterzentrierte, generationsübergreifende und geschwisterorientierte Fürsorgegemeinschaft der Menschenart).
Die Muttersippe stellt die Gruppierung, in der sich eine verfeinerte kulturelle Alltagspraxis und ein soziales Wertesystem entwickelte. Hier müssen wir, um es zu verstehen, an Gemeinschaften wie die Mosuo denken und nicht an unseren patriarchös zersetzenden Handlungsrahmen, in den wir seit Jahrhunderten schon als Kleinkinder eingepasst wurden.

(*Die Suche nach vermissten Eltern oder anderen angehörigen Familien/Sippen-Mitgliedern ist ein deutliches Zeichen dafür. Das impliziert, dass auch der heutige Mensch noch immer latent auf Suche nach seinem zerstörten Matrifokal ist...

Unser urnatürliches und damit menschenartgerechte Gemeinschaftszusammenleben auf weiblicher Basis, fand also in überschaubaren Gruppierungen statt und scheint mir eine der erfolgreichsten Strategien des 'im Arterhalt integrierten Selbsterhalt' zu sein. Menschenmütter, die über keine Klauen oder Reißzähne verfügen, sich auf ihren zwei Beinen mit nur mit mäßiger Geschwindigkeit fortbewegen können und dabei vielleicht schwanger sind, stillen oder ein Kind an der Hand hatten, könnten im Alleingang kaum überleben. Die Sipplinge, beiderlei Geschlechts, bildeten die Fürsorgegruppe (Das Matrifokal) - eine permanente, mobile Schutzsphäre um die Mutter-Kind-Einheit(en). Das Wunder* des intelligenten Menschen begann innerhalb der konsanguinen Angehörigengruppen in mütterlicher Linie - dem wohlgesonnenen und fürsorgenden Sippenverband, dem Matrifokal.

Diese naturgemäße Angehörigensippe, bestehend aus Großmüttern, Schwestern, Brüdern, Töchtern und Söhnen bildete die Schutzsphäre um den eigentlichen, den essentiellen Kern der Gemeinschaften: die Mütter und ihr Nachwuchs ... und sie waren durch Geburt miteinander verwandt. Sie wurden in ihre Sippe hineingeboren und verblieben in der Regel in diesem Bindungsgeschehen bis zu ihrem Tod.

(* wobei wir bedenken müssen, dass Intelligenz (komplexes Instinktverhalten mit Überlieferung von Erfahrungen) bereits vorhanden war … siehe all die andere intelligenten Spezies, einschließlich der Pflanzen...

Die menschlichen Ur-Gruppen beschützten sich im Bedarfsfall gegenseitig vor natürlichen Gefahren. Sie bildeten als dynamische Masse (räumlich und auch zeitlich) die bewegliche Sicherheitszone des Matrifokals für den noch hilflosen Nachwuchs. Hier entwickelte und wirkte das nachhaltige, dem Menschen eigene, Bindungsverhalten - der starke unwillkürliche Drang zur Angehörigkeit und dem Bedürfnis nach Identifizierung mit den Fürsorgepersonen und den anderen Sipplingen der Gruppe. Das bedeutet: verlässliche und dauerhafte Geborgenheit in einer Verwandtschaftsgruppe zu erfahren, ist ein Erbteil der Menschenart. So wie es für andere Spezies eine Strategie ist in ihren Bindungsgruppen, der Herde, dem Rudel, dem Schwarm oder anderen Formationen zu überleben.
Wenn diese beiden Merkmale, der Drang zur Zugehörigkeit und die Identitätsverortung, in unserer heutigen anonymen Gesellschaftskultur nicht mehr richtig funktionieren, liegt es in der Regel nicht am Individuum, sondern an den kruden Verhältnissen in die es hineingeboren wurde und mit denen es sich arrangieren muss um zu überleben.

„Wir kommen auf die Welt und die Welt ist schon da!“ - ist ein Ausspruch von Harald Lesch, der sehr schön die seit Anbeginn bestehende Situation beschreibt. Das Individuum ist wie gesagt genötigt sich anzupassen und wir im hier und heute, sehen uns seit unserer Geburt mit einem Leben in einer etablierten Naturferne sowie der latent gewaltbereiten Patriarchose (und ohne den artgerechten Schutz von Angehörigen) konfrontiert. Das lebendige matrifokale Umfeld ist fast weltweit zerstört und diese unsere menschliche Grundlage wiederzubeleben und in ihr unseren Alltag zu gestalten, sollte ein dringendes Ziel unserer Gesellschaft werden.

der Verlust des praktizierten, gelebten Matrifokals
Die Menschen lebten also im naturgemäßen "Paradies" und erst sehr viele Jahrtausende später, mit der (Entdeckung und) Anwendung der strukturellen Gewalt, der Entwicklung der Waffentechnik und der Unterdrückung anderer Lebewesen (Großtierhaltung und -zucht im großen Stil sowie Zucht der eigenen menschlichen Art), verunstalteten einige Menschen(Männer) den Rahmen und die innere Matrix des bisher praktizierten sozialen Gefüges.

Der naturgemäße Ablauf der homogenen mutterbezogenen Bindungsgemeinschaften wurde durch brutale Gewalt (u.a. permanente Kriegsführung) und damit einhergehende ideologische Kompression (Entstehung der erst androzentrierten und später monotheistischen Religionen) durch die sich schnell und irreparabel entwickelnde Autokratien, weitgehend zerstört. Unter der Regie diverser Gewaltherrschaften begannen die (zusammengeführten nichtverwandten) Menschen als (anonyme) Großgesellschaft zu agieren. Mehr und mehr wurden Individuen von ihren konsanguinen Fürsorgegemeinschaften separiert (Sklaventum, Kriegsgefangene, Handel mit Frauen und eine Art Heiratsmarkt für Töchter, die formal "frei" waren).

Vor allem die Frau verlor im sich bildenden Patriarchat ihre Selbstbestimmung und als Mutter ihren zentralen Platz in der Alltags- und Gemeinschaftskultur. Die naturgemäße Female Choice des Weiblichen (nicht nur die menschliche) wurde systematisch unterdrückt. Um selbst zu Überleben und um ihren Nachwuchs zu schützen, entwickelten sich innerhalb der patriarchalen Strukturen in den noch bestehenden weiblichen Subkulturen Verhaltensweisen, die bis heute greifen und die wir als kollektives Stockholmsyndrom bezeichnen könnten.

Das Matrifokal, diese menschenartgerechte organisch entstandene Überlebensstrategie wurde aus dem Alltag der Menschengemeinschaften gedrängt und dem Vergessen anheim gegeben, jedoch ist und bleibt es die Basis unseres (humanen) Menschseins.


Salonvortrag Teil II - Die Entstehung des Matrifokals – eine Theorie

'Das Matrifokal' ist eine, von mir gefundene, Bezeichnung für den artgerechten, frühmenschlichen Lebenskreis und eine Theorie, wie sich, auf persönlicher Bindung basierend, ein Sozialleben bildete, was es nur bei ganz wenigen Arten in ähnlicher Ausprägung gibt. Vielleicht ist es auch anderen Spezies eigen, nur der (typisch männliche) Forscher hat hier noch nicht so genau hingeschaut und das darin enthaltende bedeutsame Element von „Survival of the Caring“*, bisher nicht so recht für voll genommen.

(* auch das ist eine von mir vorgenommene Ergänzung...

In den populären und medialen Darstellungen wird jedenfalls gern aus menschlich-männlicher Sicht interpretiert, was zur Folge hat, dass die Verhaltensweisen anderer Spezies oft und gern untersucht und dabei neben der Biologie auch reichlich Ideologie zur Erklärung herangezogen werden. Mit Vorliebe wird sich auf die ausgeübte Sexualität** kapriziert. Daher kennen wir endlos Ausführungen, in welchen die Fixierung auf den maskulinen Anteil an der Fortpflanzung zentral und die Wortwahl in der Regel bereits im Ansatz falsch ist. Besonders gern wird nach monogamen Konstellationen*** Ausschau gehalten. Hier wird nicht beachtet was Evolution bedeutet, sondern es werden nur bekannte Konventionen variiert. Aber hier soll es noch nicht um die (allerdings notwendige) Patriarchatskritik gehen, sondern erst einmal darum, was vor tausenden von Jahren in der menschlichen Evolution geschah und nachdem wir uns das wieder bewusst gemacht haben, welche Konsequenzen wir daraus ableiten können.

(siehe auch hier http://stephanieursula.blogspot.de/2017/07/konzeptausschnitt.html)

(* Aus meinem Brief an Michael Schmidt-Salomon: Selbstverständlich ist mir der Mechanismus der Selektion sehr wohl bewusst und ich denke auch, dass die natürliche Selektion den beiden bekannten Grundsätzen „Survival of the Fittest“ und „Survival of the Lucky“ unterliegt … Besonders beim Menschen galt vor allem auch ein „Survival of the Caring“ … Das in eine generationsübergreifende, geschwisterlich agierende und logischerweise matrilineare Gemeinschaft hinein geborene Kind hatte hier die besten Chancen zu gedeihen und zu überleben.
(** Das Phänomen Leben ist ein sich selbstregulierendes System, das zu einer unglaublichen Komplexität gelangte und in der Vielfalt der Arten noch lange fortbestehen wird. Und zwar solange wie die energetischen, anorganischen und organischen für den Fortbestand ausreichen. Die wirkliche Triebkraft des Phänomens Leben ist die immanente Doppelkombination ''Selbsterhalt und Arterhalt''. Hier kann eins ohne das andere nicht sein. Die sich herausgebildete (Hetero)Sexualität, welche die genetische Vielfalt begünstigt und die weibliche Wahl des männlichen Geschlechtspartners voraussetzt, ist ein relativ früh selektiertes Instrument des Arterhaltes.
(*** Beispiele sind hier immer wieder die ZDF - Serien , wie Terra X - Rätsel Mensch (1/2): Wie wir fühlen - Fahndung im Reich der Gefühle - http://www.zdf.de/terra-x/raetsel-mensch-wie-wir-fuehlen-was-ist-das-geheimnis-unserer-evolution-39570456.html

Das 'Leben im Matrifokal' ist meine Lieblingsantwort, wenn es darum geht, bestimmte Verhaltensweise von Individuen und dem menschlichen Artverband abzuleiten. Jedenfalls konnte ich das in der Regel auf den besonderen, den speziellen Sozialeffekt der menschlichen, konsanguinen Fürsorgegruppe unserer Spezies zurückführen.
Es wird sich im Laufe meiner weiteren Ausführungen bestimmt der Eindruck aufdrängen, dass ich mich ständig wiederhole, aber da ich von verschiedenen Fragestellungen ausgehend, seltsamerweise immer wieder zu ähnlichen Schlussfolgerungen kam, begann ich diese Erkenntnis bzw. Kernaussage zu umkreisen, die sich mir als eine Art Naturgesetz darstellte. In vielen Gesprächen mit anderen Forscherinnen und nach einer Unmenge Literatur und anderen Medien, klärte sich das Bild immer mehr. Meine Betrachtungen und Theorien sind ein Angebot, eine aus meiner Sicht vernünftige Variante einer Erklärung, die ich nicht nur als theoretisch schlussfolgerte, sondern selbst erlebe. Meine Beobachtungen und Überlegungen gleiche ich stets und gern mit dem einzigartigen Beispiel der noch existenten matrifokalen Gemeinschaft, den Mosuo, ab. Und so war mir irgendwann klar: seit Menschen existieren ist unsere matrifokale Grundlage nicht unsere ferne Vergangenheit, sondern auch unbedingt unsere Gegenwart …

die Menschheit wurde in einem Matrifokal geboren ...
Das Matrifokal ist das natürliche durch (biologische) Evolution entstandene Überlebenskonzept der Spezies Mensch, es ist Beginn und Grundlage des menschenartgerechten Kontinuum. Dass wir in unserer aktuellen Gesellschaftskultur davon wenig bis gar nichts spüren, ist dem androzentrierten (und damit quasi hochtoxischen) Patriarchat geschuldet. Die sich inzwischen gut etablierte Patriarchose (Begriff by Dagmar Margotsdotter) ist die gewaltsam eingeführte Gesellschaftsstruktur, die ich nicht der naturgemäßen Evolution zuordnen kann. Das sogenannte Patriarchat hat vor allem eines auf dem Gewissen, dass es bis heute versucht die menscheneigene Matrifokalität nicht nur zu zerstören, sondern uns auch bis heute versucht einzureden, dass es sie nie gab. Der Vater – Komplex als typisches überindividuelles Muster * ist ein Hauptsymptom der langanhaltenden Patriarchalität.
(* siehe Wikipedia: Komplex

Eine menschliche oder andere Mutter gehört dem weiblichen Grundgeschlecht des Lebens an. Sie ist als das Weibliche der jeweils aktuelle Stand des evolutionären Erhalts des Lebens. Eine Mutter sein ist mehr als schwanger werden können, ein Kind austragen und es zur Welt bringen. Die Mutter war und ist die Gesamtgrundlage unserer Spezies. Der eigentliche Lebenserhalt findet nach der Geburt eines Kindes erst richtig statt. Die Mutter bzw. Gruppierungen von Müttern sorgen für den heranwachsenden Nachwuchs, nicht nur beim Menschen, auch bei vielen anderen Arten. Die darauf aufgebaute und der daraus resultierenden gelungene Lebensgestaltung, in Form des Überleben des Individuums, findet bei der Menschenspezies in seinem arteigenen Sozialverband statt. Es ist eine natürliche Kompetenz, die wir ähnlich auch bei anderen Spezies finden können.
Es gibt verschiedene Bezeichnungen für all die (Über)Lebensgemeinschaftsformen der Arten, ob Herde, Rudel, Horde oder Schwarm usw. Alle Lebewesen fanden eine für sie passende Form unter den gegebenen, vorherrschenden Umweltbedingungen, um sich als Individuum erhalten können bzw. entstanden durch Selektion bidelten sich Artenverbände heraus. So auch die Spezies Mensch. Als Hominide gehören wir zu den Säugetieren (Trockennasenaffenart) und gingen als Menschenart einen besonderen Weg, der unter anderem dazu führte, dass wir uns inzwischen sogar Definitionsmacht über die gesamte belebte sowie unbelebte Natur aneigneten (oder genauer gesagt: anmaßten). Die besondere Art der menschlichen Kommunikation evolvierte aus unserer (menscheneigenen) Überlebensstrategie, die Selbst- und Arterhalt (ein)forderte.

Alles was die Mensch ausmachte, entstand in der unmittelbaren matrilinearen Bindungsgruppe, also innerhalb der Überlebenssphäre, die ich 'das Matrifokal' nenne. Es sind viele evolutionäre Effekte sowie die daraus entstehenden Konsequenzen, die unentwegt in einander greifen und so Schritt für Schritt das nächste Level in der Entwicklung der Menschenspezies erreichten. Die Anthropologin Kristen Hawkes fasste das in eine Art Drei-Schritte-Programm zusammen, auf die sich ihre Großmutterhypothese bezieht – alt – jung – intelligent – und zwar intelligent in der Form, die besonders dem Menschen eigen ist. 

Claudia von Werlhof spricht von der historischen Tatsache einer lange andauernden frühgeschichtlichen „matriarchalen Weltkultur“ ...“. das ist schon viel mehr als uns in diversen Bildungseinrichtungen und darüber hinaus weisgemacht wird. Denn dass diese, als matriarchal bezeichnete Weltkultur eigentlich der evo-biotisch angelegten, spezifischen Matrifokalität des artgerechten Menschseins entspricht, berücksichtigen Akademiker und Medienmacher immer noch nicht (ebensowenig manche der neuen MatriarchatsforscherInnen und PatriarchatskritikerInnen).
Meines Erachtens gab es kein Matriarchat. Eine frühgeschichtliche Gesellschaft mit oder ohne Staatenbildung bestand über den größten Teil der Menschenexistenz einfach nicht*. Wir sollten hier eher von einem naturgemäßen Kontinuum sprechen. Ein Begriff, der auf Jane Liedloff** zurückgeht und mit dem die Mischung aus evolutionsbiologischen Prozessen und der (später beginnenden) Entfaltung sowie Weitergabe von Kultur gemeint ist.

(* bei anderen Tierarten sprechen wir ja auch nicht von einer Gesellschaft. Dieser Begriff impliziert stets eine gewisse Form von gezielter Organisation und eine Art Leit- bzw. Ideologiekultur… eine Herde beispielsweise folgt den Instinkten ihrer Form des sich selektierten Arterhaltes, die auch das Einzelwesen individuell sowie kollektiv agieren lässt. Das heißt, die Spezies Mensch agierte über einen sehr, sehr langen Zeitraum wie andere Tierarten auch…
(** siehe Jane Liedloff "The Continuum Concept"...

Wir erkennen es daran, dass die maßgeblichen Parameter der sich etablierenden Matrifokalität früher Lebensgemeinschaftsformen der generationsübergreifenden Aspekt und ihre geschwisterliche Basis sind. Hier beginnt die besondere Form der Fürsorgegemeinschaft der Angehörigen. In einer solchen hat sich, unterstützt und intensiviert durch das geschwisterliche Miteinander, die Mutter-Kind-Einheit zu einer Form des nachhaltigsten Bindungsgeschehen in der Natur entwickelte.
Diese drei Aspekte - Bindung an die Mutter, geschwisterliches Miteinander und ebenso essentiell das generationsübergreifende Moment - sind die Eckpunkte des menschlich - matrifokalen Kontinuums. Das was von anderen als Ur-Matriarchat bezeichnet wird, ist für mich erst einmal ein naheliegendes Naturgeschehen.

Auf der evolutionär entstandenen und biologisch sinnvollen Matrifokalität gründete sich das artgerechte Kontinuum der Spezies Mensch. Der Art- und Selbsterhalt, also der Alltag der frühen Menschengruppen, fand in einem Muttersippenverband statt und in diesem entwickelte sich die damit einhergehende spezielle, arterhaltende, menschliche Kultur. Die hierzu erforderliche sukzessive ansteigende Intelligenz der Menschenarten wurde m.E. durch die Nähe und besondere (lebenslange) Bindungskontinuität der Fürsorgegemeinschaft begründet. Die Matrifokalität ist imho die Initialzündung in puncto Evolution zum humanen Menschen.


Salonvortrag Teil III - „wir wurden alt, wir wurden jung, wir wurden intelligent“

Diese These* stammt natürlich nicht von mir, sondern von Kristen Hawkes und ist ihr Fazit der sogenannten Großmutterhypothese. Und sie ist gleichzeitig eine wunderbare und dabei logische Erklärung, wie Menschen zu Menschen wurden...

Schon seit langem beschäftigt mich die Frage: Was genau hat denn nun die Mensch zum Menschen gemacht?
  • Worin lag/liegt der entscheidende Unterschied zu anderen Säugetierarten oder sonstigen Spezies?
  • Was machte 'die Mensch' anders, als die zum Teil auch schon pfiffigen Primaten, Herden- oder Rudeltiere? Was genau förderte die menschliche Langlebigkeit über die Menopause der Frau hinaus?
  • Wie entwickelte sich die Jugend des Menschen, auch als eine Art sozialer Sonderstatus, der ihm den verlässlichen Schutz in der Bindungsgruppe 'Matrifokals' garantierte? Ein Kind bzw. der entwicklungsbedürftiger (pubertärer) Jungmensch zu sein, ist beim Menschen eine vergleichsweise lange Phase, die gegenüber den meisten Arten wesentlich mehr Jahre umfasst (durch kulturelle Steuerung inzwischen bis zu über zwanzig Jahre)
  • Wann und wo setzte der Intelligenzzuwachs unserer Spezies ein?
Laut These wurden wir als Spezies Mensch also erst einmal ALT...
Und hier geht es um die Frau, die über die Menopause hinweg noch eine erhebliche Spanne an Lebenszeit erleben kann. Was genau bedeutete es denn, dass es die Großmutter, die älter gewordene noch lebende Frau gab bzw. wie kam es dazu?
In meinem Großmutter-Vortrag (Oktober 2007) schrieb ich: "Nicht nur ich bin der Meinung, es gäbe z.B. keine langlebigen Frauen*, über die Menopause hinaus, wenn diese potentielle Langlebigkeit in der menschlichen Entwicklung nicht einen Sinn machen würde. Und dieser Sinn ist, wie wir bei Natalie Angier nachlesen können, das Leben- und Arterhaltende Wirken der Großmütter bzw. der älter werdenden Frauen über ihre Fruchtbarkeitsphase hinaus. Die Großmutter, bzw. die ältere Frau gehört zum evolutionären Konzept des menschlichen Lebens dazu. Ja nicht nur das. Wenn wir einigen interessanten Thesen nachgehen, so ist die Großmutter maßgeblich am Entstehen des MenschSeins beteiligt. Natalie Angier bezieht sich in ihrem Buch „Frau – eine intime Geografie des weiblichen Körpers“ auf die Forschungsergebnisse von Kirsten Hawkes und deren Großmutterhypothese. Sie schreibt: „Die ursprüngliche Arbeitsteilung spielte sich laut Hawkes nicht zwischen Mann und Frau, sondern zwischen gebärfähiger Frau und Frau nach den Wechseljahren ab. Die Großmutter zog groß, was die Mutter produzierte. Dank dieses Zusammenspiels kannte die menschliche Fruchtbarkeit und die menschliche Mobilität bald keine Grenzen mehr.“

Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: lebende Großmütter sind nicht zufällig übrig gebliebene ältere Frauen, sondern sie sind ein entscheidender Faktor in der Evolution des Menschen. Die Langlebigkeit des Menschen begründet sich in dem epigenetischen Effekt, dass länger lebende Frauen einen arterhaltenden Vorteil hatten. Daraus resultiert bei der Frau die große Spanne an Jahren vom Ende der fruchtbaren Zeit bis zum natürlichen Tod. Mehrere Jahrzehnte wie wir wissen. Natürlich werden Männer auch alt, denn eine Mutter vererbt das Gen der Langlebigkeit an beide, Töchter und Söhne. Die von Großmüttern tatkräftig unterstütze urzeitliche Müttergemeinschaft konnte ihrem Nachwuchs immer mehr Zeit zum Aufwachsen geben, wie Hawkes sagt: „...sie erfanden die Jugend!“ Und ein Gehirn das gut genährt eine lange Zeit zum Reifen erhält, hat viele Entwicklungsmöglichkeiten. Der Vorteil der menschlichen Intelligenz geht somit auf das Konto der Großmütter."
(* entnommen dem Buch „Frau“ von Natalie Angier Seite 323

Das Vorhandensein der Großmutter war also für unser frühes menschliches Zusammenleben essentiell (und ist es auch heute noch). Im Matrifokal, der Lebensgemeinschaft einer matrilinearen Gruppe bzw. Sippe sind Großmütter die noch lebenden Ahninnen. Entscheidend ist aber auch, dass diese, als Matrifokale funktionierenden Gruppierungen, nicht nur die mobile Schutzsphäre für den Nachwuchs stellten, sondern ebenso die Älteren, als die lebenden Erinnerungsspeicher beschützten. Das wissende und erinnernde Potential einer Gruppe wurde vornehmlich durch die alten Mütter getragen und repräsentiert. Wenn es heute und in Zukunft auf Dauer keine generationsübergreifenden Alltagskonzepte mehr gibt, keinen präsenten älter werdenden weiblichen Anteil, der aktiv den Alltag der Heranwachsenden belebt, weiß vielleicht eines Tages keiner mehr, wie Menschlichkeit wirklich funktioniert.

Wir wurden JUNG…
Die Großmutter war also einst der Garant dafür, dass der Nachwuchs in Ruhe und relativ gut genährt groß werden konnte. Die Mensch lebte in ihrem konsanguinen Kreis ihrer Angehörigen und aus der Natur der Sache heraus, bevorzugt mit der anwesenden Weiblichkeit. Als Kind in einer solchen (Fürsorge)Gruppe lernte die Mensch alles von ihren Müttern und deren Schwestern und Brüdern. Entscheidend ist, damals wie heute, für ein Kind die zugewandte Nähe permanent vorhandener Angehöriger. Die kleinen Sipplinge wuchsen in der Schutzsphäre der Muttersippe auf und lernten dabei spielend, was sie für ein Leben als erwachsener Sippling brauchten.

Wir wurden INTELLIGENT ...
Wir wissen: Kindheitserfahrungen werden später als Leitfaden durch das Erwachsenenleben permanent und intuitiv abgerufen. Leider werden sie auch, besonders heute, von verschieden oft über eine längere Zeit, durch später antrainierte kulturelle und sozial konditionierte Einflüsse überlagert. Heute verlangt die soziokulturelle Anpassung viel von unseren Kinder. Manches davon grenzt schon an unablässige Verstellung und schizophrenes Reagieren auf den gesellschaftlichen Druck. Aber wir können auch feststellten und das wurde mir vor allem als älter werdende Frau deutlich, wenn nach dem Muttersein in der menschlichen Lebensmitte, sprich in der Regel in der Zeit der Wechseljahre, gewisse Restriktionen wegfallen, sind wir frei uns wieder unserer einst unterdrückten kindlich-jugendlichen Geistigkeit zuzuwenden. Im beginnenden Alter (heutzutage etwa ab 45) erleben wir eine immer weniger fremdbestimmte Zeit und können uns ganz anders entfalten*.

(* bei meiner ältesten Tochter zeigt sich das jetzt als Entschluss noch zu studieren. Da ihre Enkelkinderzeit noch nicht begonnen hat, findet der natürliche Kreativschub dieser Phase ein einsprechendes Ventil. Ich habe damals, Mitte Vierzig, eine weiteren Beruf und Autofahren gelernt).

Die Großmutter bzw. die noch lebensvolle Alte, tritt nun in die nächste Phase ihres Frauenlebens ein. Leider erleben die Wenigsten in der patriarchös abendländischen Kultur eine Einbindung in eine (wenigstens matrifokal angehauchte) Nähe-Bindungsgruppe, die sie mitgestalten kann und die für sie auch lebensnotwendig wäre. Von einer wertgeschätzten und zentralen Zugehörigkeit zu ihrer Fürsorgegemeinschaft ganz zu schweigen. Dabei sind wir, die Mensch(en) doch auf den alltägliche und aktuelle Gedanken-(„Hirnwellen“)-Austausch sowie auf körperliche Interaktion genetisch programmiert und daher angewiesen. Es ist die Grundlage und das Sponsering der speziellen Geistigkeit (auch als Spiritualität bekannt) des menschlichen Individuums. Es fördert das soziale Miteinander was wiederum beim Individuum zu jeder Form an Intelligenz führte, was es so brauchte: emotional, rational, geistig, empathisch, sozial, kommunikativ ... hier greift meiner heutigen Ansicht nach die selektierte Konnektivität des spezifischen (Menschen)Arterhaltes. Das kommt heute in der immer noch eher vernachlässigten Bindungstheorie zum Ausdruck. Denn es dürfte eine Tatsache sein, dass uns Menschen naturgemäß unsere Angehörigen (Blutsverwandte) nicht nur etwas bedeuten, sondern auch wir auf eine einzigartige Weise auf sie angewiesen waren/sind. Wir brauchen uns nicht nur gegenseitig, sondern sind in jeder Hinsicht in einem verantwortungsvollem Sinn innerhalb der Sippe von einander abhängig. Gelebte Generativität von der Geburt bis zum Tod bedeutet: als Menschen sind wir immer gebunden und besitzen doch die persönliche Freiheit als Individuum.

Meine Theorie zum Matrifokal bezieht sich auf die Tatsache, dass diese Basisform des menschlichen Seins schon immer als eine mütterzentrierte, geschwisterbasierte, generationsübergreifende Bindungsgemeinschaft funktionierte. Was bedeutet das nun genau? Es ist ganz einfach. Ohne Mütter keine Menschen! Allein dieses (heute verdrängte) Selbstverständnis rückt die Mutter automatisch ins Zentrum des menschlichen Geschehens. Dass sich in unserer derzeitigen Kognition (Wahrnehmung) diese schlichten Tatsache total verschoben hat, sowohl in der individuellen Erfahrung wie auch in der kollektiven (mainstreamigen) Prägung unserer aktuellen Gesellschaft, ist der Patriarchose geschuldet. Diese gestattet uns zwar den Mutterkontakt in den Lebensanfängen, stellt aber gleichzeitig durch die bereits erfolgte Konditionierung unserer Mütter sicher, dass sich die artgerechte Nähebindung nicht zu sehr verfestigt. 

Das Großmutter-Mutter-Kind-Verhältnis und hier im Besonderen zu den Töchtern, befindet sich im gesellschaftlichen Kontext in einem desaströsen Zustand. Von einem sozial geregelten, sprich gesellschaftlich anerkannten Gefüge, in dem ein Kind selbstverständlich mit einer Großmutter, sowie Mutterschwestern und Mutterbrüdern sowie der Kinder, aufwächst, sind wir weiter entfernt alsje zuvor. An die Stelle dieser Mutterbedeutung wurde das Vaterideal gesetzt (nicht etwa der reale Vater).

Manchmal denke ich ja, ich bin fast schon eine glückliche Ausnahme so als Großmutter von 12 Kindeskindern, aber es ist auch klar: die selbstverständliche, genauer naturgemäße, Bindung zu meinen elf Enkeltöchtern und dem einen Enkelsohn setzt ein dauerhaftes Bemühen meinerseits voraus. Denn alle, aber auch wirklich alle gesellschaftlichen Strukturen und Variablen unserer Zeit schließen die (konsanguinen) Großmütter aus der intensiven Nähebindung aus. Unser größter Vorteil in der Menschenentwicklung wurde also schon seit langem aufgegeben. Den natürlichen Platz der Großmütter nahmen eines Tages eine Art gebietender Mann ein, der die neuerschaffene Vaterwürde in Anspruch nahm. Väter tauchten quasi vor einigen Jahrtausenden wie aus dem Nichts auf, aber nicht etwa als individuelle Fürsorgeperson, sondern als 'Halter von Menschengruppen'.

Was also machte den alt werdenden, mit Jugend ausgestatteten und exorbitant intelligenten Menschen darüber hinaus zum humanen Menschen? Ein intelligentes Tier war er ja bereits. Wie kam es zu einer speziellen, also menschenspezifischen Intelligenz? Die Intelligenz des Menschen ist ein Nebeneffekt seiner speziellen Form des Arterhalts.

Der menschliche Arterhalt fand / findet innerhalb einer intensiven persönlichen Bindung statt und zwar in Form permanenter (alltäglicher), interaktiver (zugewandter) Kommunikation (verbal und nonverbal). Dieses Phänomen können wir uns als ein stets vorhandenes, energetisches (morphisches) Feld vorstellen. Der Bezug zu (unseren) Angehörigen (auch dimensional in die Vergangenheit und in die Zukunft) wurde dabei (epigenetisch) zu einem natürlichen und damit zwingenden Drang.
Ausgehend von der Mutter-Kind-Einheit bildeten sich aus der permanent interpersonellen (geistigen und körperlichen) Beziehung der Sippenangehörigen, mit denen sie im Alltag interagierten und die wir Bindung nennen, die Verknüpfung, die das Wohlbefinden fördert und jede Form von intuitiven Lernen (ein Leben lang) begünstigt. Zudem schlägt die Bindung sich in gemeinsamen Erinnerungen nieder, auf die wir ein Leben lang zurückgreifen. Gemeinsame Erfahrungen, die zu gemeinsamen Erinnerungen führen, stabilisierten das Bindungskollektiv der konsanguinen Verwandten. Das Wort konsanguin wende ich gern an, um den bereits (und nicht immer positiv) besetzten Begriff der 'Blutsverwandtschaft' zu umgehen. Konsanguin bedeutet durch Geburt in mütterlicher Linie mit einander verwandt zu sein. Es ist also keine beliebige Verwandtschaft und bezieht sich auch nicht auf eine imaginäre bzw. pseudo-Vaterlinie.

Es heißt Gene und Meme machen unseren Alltag aus. Das beständige Verweilen in einer geschützten Nähe-Einheit, führt dazu, dass wir uns gegenseitig als Persönlichkeit wahrnehmen. Das war in der Vergangenheit ein selbstverständlicher, alltäglicher Effekt und ist es noch heute. Auch andere Lebewesen, Pflanzen oder Tiere, beispielsweise in einer Herde, sind als Individuum eine Persönlichkeit. Die, je mehr sie miteinander interagieren, umso mehr als beispielsweise gegenseitiger Schutzfaktor für einander verlässlich (inter)agieren. Zwischen sich innig zugewandten Persönlichkeiten findet eine Form der Bindung statt, die u.a. das Überleben garantiert. Wir sind in der Lage aus der Beständigkeit an Fürsorge auf Gegenseitigkeit ein hohes Maß an Energie und Lebensqualität zu ziehen. Das Matrifokal ist identisch mit dem immanenten Feld der Zugehörigkeits- und NäheEnergie. Es findet im generationenübergreifenden Moment seinen Ausdruck. Und hierin liegt auch der Beginn aller Kulturtätigkeiten, welcher die Notwendigkeit zugrunde lag, den Arterhalt, sprich die Versorgung und die Sicherheit des Nachwuchses, im Alltagsgeschehen zu optimieren (bzw. diejenigen die so ihr gemeinsames Leben gestalteten, überlebten anscheinend). Da das Matrifokal als flexible Schutzsphäre nicht nur für den Nachwuchs fungierte, sondern auch jede erwachsene Angehörige in diesen Schutzkreis einschloss, wurde dieser zum prinzipiellen Bindungserhalt und als Merkmal im Fürsorgegeschehen (genetisch) verankert. 

Diese Effekte prägten so die unbedingte personelle Zugehörigkeit über das Säuglingsalter hinaus. Ein wesentlicher Punkt in der Entwicklung hin zur Intelligenz, ist die Sorge nicht nur um die jungen Sipplinge, sondern gleichermaßen um alle Angehörigen eines jeden Alters. Die älter und alt werdenden Sipplinge bildeten mit ihrer persönlichen die kollektive Erinnerung und stellen so mit ihrer existenzsichernden Gedächtnisleistung das Archiv der Sippengemeinschaft. Zudem sicherten sie die Jugendzeit des Nachwuchses durch ihren Arbeitseinsatz ab und in der Unterstützung der jungen Mütter sorgten sie für größtmögliche Überlebendchancen gemäß der Theorie: „Die Großmutter zog groß, was die Mutter produzierte“! (wobei wir das 'produzieren' nicht persönlich nehmen sollten ;-))

Der soziale Alltag in der patriarchalen Kultur hat sich (heute) auf eine Minimal-Gemeinschaft plus einem enormen anonymen Background verlagert. Der ungeheure Stresslevel, der dem modernen Leben eigen ist, resultiert vor allen aus einem sich permanenten Aufhalten unter Unbekannten und Fremden (sprich Nicht-Angehörigen) und fordert vom Individuum eine ununterbrochene instinktive, also meist unbewusste Wachsamkeit im Alltag.


Salonvortrag Teil IV - Elefanten und andere – Das menschliche Matrifokal

Mir drängt sich oft der Eindruck auf, dass man sich allerorten schwer tut, angemessen zu erklären, warum die Spezies Mensch ist wie sie ist und wie der Schritt vom naturgemäßen Leben in die tägliche Hölle der Patriarchose passierte. Der Naturaspekt ist hier noch ganz einfach, wir sehen wie sie ihre Kinder (Nachwuchs) aufzogen und wie sich dabei das weibliche Geschlecht auf das männliche bezieht. Schauen wir wie die anderen, sich ähnlich verhaltende Tiergruppen, ihren Nachwuchs aufziehen und leiten davon ab wie es (wahrscheinlich) die frühen Menschen taten. Und zwar ohne die Sozialromantik vom starken Mammutjäger und den gern zitierten Clanchefs.

Aber bisher wird nicht wirklich ernsthaft und aufmerksam auf das natürliche und menschenartgerechte Naturgeschehen, den Arterhalt geschaut. Das fängt schon damit an, dass immer wieder 'die Ehe' bzw. die romantisierte Vorstellung von Paargemeinschaften in die Anfänge der Menschheit verortet wird. Die dogmatisch etablierte Konstruktion des dauerhaften Liebespaares welche das instabile Tragegerüst unserer Gesellschaft bildet, zurrt Nichtverwandte (Fremde) zu einer auf Sexualität beruhenden Lebensgemeinschaft zusammen, die aus der (geschichtlich gesehen relativ jungen) Herrschaftspraxis privilegierter Alphamänner hervorging. Daher findet heute ausschließlich jede soziale Interaktion auf dem ideologisch bereiteten Boden in einer ausschließlich androzentrierten Lesart statt. Inzwischen ist alles dem Grundmuster der Patriarchose unterworfen. Die einst gewaltsam eingerichteten, väterlich dekorierten Herrschaftsmacht indoktriniert alles. Aber trotz des maskulin-patriarchal eingenordeten, gesellschaftspolitischen Überbau sind wir immer noch nur eine Säugetierspezies.

Orang-Utan bedeutet soviel ich weiß: Wald-Mensch oder Baum–Mensch und sie ziehen ihre Jungen auch in Müttergemeinschaften auf und da haben wir schon den entscheidenden Unterschied, der eine natürliche (und keine ideologische) Ursache hat … Menschenmütter leben schon seit Jahrtausenden nicht mehr in Wäldern oder auf Bäumen (obwohl sie es vermutlich einmal taten) - sie sind schon seit langem auf zwei Beinen auf dem Boden der Savannen oder anderer Geländeformationen unterwegs. Und daher musste die Menschenfrau eine eigene Strategie des Überlebens entwickeln, als die homoniden Baumbewohner, die in den Wipfeln vor Fressfeinden relativ sicher waren. Die Mensch brauchte zum Überleben ihre matrilineare Gruppe, um sich innerhalb dieser Schutzsphäre der Versorgung ihres Nachwuchses zu widmen. Überdies trug die Mensch diese, evolutionär angelegte, Strategie der Matrifokalität bereits in sich, als sie begann sich als Zweibeiner zu versuchen.

Schauen wir uns beispielsweise eine matrilineare Elefantenherde an. Die Elefanten (und zuvor bereits die Mammuts) müssen sich über die Sicherheit ihrer kleinen Elefanten nicht ganz so viele Sorgen machen. Wer wagt schon eine Elefantenherde anzugreifen. Denn diese verfügen nicht nur über Körpermasse und einen Rüssel, sowie Stoßzähnen, sondern auch über ein effektives Sicherheitssystem innerhalb ihres Sozialverbandes. Mit der Pubertät werden die heranwachsenden ungestümen Jungbullen der Herde verwiesen. Für den Schutz des Nachwuchses kommen die Mütter, die Muhmen (Mutterschwestern) und große Schwestern auf und die ungestümen Bengel würden wahrscheinlich eher selbst zur Gefahr werden, als dass sie die Herde nach außen hin „schützen“. All das wissen wir schon lange, nur wird es auch immer entsprechend eingeordnet?

Ab und zu gibt es solide Erkenntnisse, die fast unideologisiert bereitgestellt werden. Und so wissen wir zum Beispiel, dass die klugen Delfine in einer engen Mutter-Kind-Bindung leben - etwa sechs Jahre lang (eine Kindheits- und Jugendphase ähnlich dem Menschen. Das Jungtier und seine Mutter bilden über diesen Zeitraum eine ständige Zweierformation. Sie zeigen Zugehörigkeit und Zuneigung durch häufige Berührung. Die intelligenten Delfine sind Persönlichkeiten. Das wird u.a. durch ihr Mitgefühl für andere deutlich, sogar außerhalb der eigenen Art (sie sind sich ihrer also bewusst). Sie kommunizieren effektiv und sie leben einen wirkungsvollen Sozialverband (bis zu hundert Delphis), in dem sich alle untereinander kennen. Delfinmütter unterstützen sich und betreuen gegenseitig ihre Jungen. Wir haben hier also einen matrifokalen Effekt (wobei das Matrilokale daran etwas verwässert ist). Das lange Zusammensein mit einer Mutterperson und einer großen schützenden Gruppe fördert die Intelligenz des Nachwuchses, können wir auch hier schlussfolgern...

Auch unser frühes menschliches Zusammenleben in einer mütterlich und geschwisterlich geprägten und generationsübergreifenden Lebensgemeinschaft, in den matrilinearen Gruppen bzw. einer Sippe, stellte nicht nur die Schutzsphäre für den Nachwuchs, sondern beschützten auch das wissende Potential der Gruppe, das durch die alten Mütter repräsentiert und getragen wird. Auch viele andere Spezies sind je nach sozialer Organisation auf das Erinnerungspotential der älteren und somit erfahreneren Teammitglieder angewiesen. Irgendwo habe ich gelesen, dass es beispielsweise für die heute existierenden Elefantenherden ein großes Problem darstellt, dass es kaum noch so richtig alte Elefantenkühe gibt, die mit ihrem viele Jahrzehnte umfassenden Gedächtnis noch wussten, was gut für die Herde war und die Landschaft und das Klima kannten. Wenn also in unseren heutigen und zukünftigen menschlichen Lebensgemeinschaften keine älteren Frauen (also nicht im angehörigen generationsübergreifenden Maße) mehr den aktiven Alltag in den Lebensgemeinschaften beleben, weiß vielleicht eines Tages keiner mehr, wie Menschlichkeit wirklich funktioniert.

Die Menschenfrau setzte also auf eigene Strategien. wie gesagt, als Sohlenläufer ist sie weder besonders schnell, noch verfügt sie über wehrhafte Krallen oder ein starkes Raubtiergebiss. Sie kann auch kein Gewicht von mehreren Tonnen zur Abschreckung vorweisen oder gewaltige Stoßzähne. Die Überlebensstrategie der Menschenfrau war (und ist) ebenfalls ihre "Herde" ... nur nennen wir sie hier nicht so. Denn ihr Lebensverband war die verlässliche Bindungsgruppe, das konsanguine Matrifokal! Das bildete auch zu ebener Erde und ohne Unterschlupf die Schutzsphäre für den Nachwuchs und die erwachsenen Mitglieder. Diese dem Menschen eigene mobile Entität (als Überlebenskontinuum) stellten die Mütter der Gruppe sowie deren männliche Angehörige. Ihre Söhne und Brüder, bereits selbst in dieser Fürsorgegruppe aufgewachsen und im Sozialverband energetisch integriert, sind natürlicher Teil des erforderlichen verlässlichen Schutzes. Ein reiner Frauenverband hätte diese besondere Form der Schutzsphäre kaum leisten können (im Vergleich zu Elefanten und Delfinen). Da zählte sowohl in alltäglichen wie auch gefahrvollen Momenten jedes wachsame Ohr und Auge und jede starke Hand. Und ein Chor von kräftigen Stimmen wird im Gefahrenfall auch nicht zu unterschätzen gewesen sein.

Das somit naturgemäß entstandene Matrifokal ist identisch mit der Bindungsgruppe, in die eine jede Frau und ein jeder Mann hineingeboren wurde und in welcher sie in der Regel bis zu ihrem Tod verblieben. Die Männer, die Söhne und Brüder der weiblichen Angehörigen, waren schon immer der unverzichtbare Teil eines Matrifokals, aber eben nicht als (tonangebende) Väter der Kinder. Die ungestümen Jungmänner wurden dann wohl auch entsprechend dem Geist der Gruppe rechtzeitig sozialisiert. Kurzfristige Abwesenheiten, wie z.B. der immer gern zitierte Jagdausflug von Männergruppen (die heute von patriarchal ausgerichteten Wissenschaftlern immer noch gern als die tragende Sozialgruppe angesehen wird), werden wohl ein organisiertes Ereignis gewesen sein, dass alle im Sinne der Gemeinschaft mittrugen. Abwesenheit wurde vermutlich so gestaltet, dass Das Matrifokal dabei nicht in Gefahr geriet und der Schutz der heranwachsenden Generation in jedem Fall garantiert blieb.

Das Matrifokal, die (artgerechte*) Fürsorgegruppe bzw. der homogene, geschwisterbasierte und generationsübergreifende Sozialverband - war / ist die Überlebensstrategie und -garantie der Spezies Mensch, also unsere ureigene (tierische) Spezialität. Wir, die Menschenspezies, sind mit einem hochwirksamen Drang zur personengebundenen Zugehörig ausgestattet. Diese auf persönliche Bindung ausgerichtete Zugehörigkeit sowie Identitätsverortung, gehört(e) mit zum Sicherungskonzept der Menschenart.

Der intensiver Bindungsbezug, die spezielle Mutter-Kind-Bindung über das Säuglingsalter hinaus, bot dem Menschen die Basis zur Intelligenz. Die Großmutter-Mutter-Tochter-Achse ist der Kern einer Fürsorge-Bindungsgruppe.

Und meine (Lieblings)These zur praktischen und geistigen Tätigkeit der frühen Menschenfrau lautet nach wie vor: Jede Kulturtätigkeit, welche die Mensch im Matrifokal entwickelte, anwendete und überlieferte, ist ein Nebenprodukt des menschenspezifischen Arterhaltes und ein Verstärker kooperativer Interaktion innerhalb der sozialen, kollektiven Angehörigenbindung.  

Wenn wir uns also das arteigene menschliche Sozialverhalten und all die matrifokalen Zusammenhänge erklären wollen, müssen wir nur vom Arterhalt her denken, in dem natürlich der (individuelle) Selbsterhalt integriert ist.

(* artgerecht ist hier immer als evolvierender Mechanismus zu verstehen und nicht als aktuelle Verhaltensweise oder Befindlichkeit einiger Individuen...


Salonvortrag Teil V - Alle Menschen sind Geschwister oder Geschwister – die verlorenen Verbündeten

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“. So beginnt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948. Nach dem Willen der Weltgemeinschaft, damals vertreten durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen, sollte es also keinen Unterschied machen, ob ein Mensch arm oder reich ist, gebildet oder ungebildet durchs Leben geht, aus der Stadt oder vom Land kommt. Er hat als Mensch unveräußerliche Rechte und darf nicht als Objekt anderer behandelt werden.
(aus: http://www.oeko-fair.de/verantwortlich-handeln/frauen-entwicklung)

… und jede Anwesende wird gleich ahnen, wo wieder einmal das grundlegende Problem liegt. Die hier scheinbar so arglos geforderte Brüderlichkeit ist eine der typischen Fallen, in welche auch die Humanistin ganz schnell geraten kann. Dabei ist es so einfach. In der deutschen Sprache gibt es ein sehr passendes Wort für unsere grundlegende Menschenbeziehung, die ursprünglich und gleichzeitig unseren unmittelbarer Bindungsstatus zeichnet: Geschwister!
Aber das Wort Geschwisterlichkeit enthält, wahrscheinlich zu offensichtlich, den Hinweis auf das generelle Vorhandensein und damit auch die immense Bedeutung von Schwestern in einer jeden Nähegemeinschaft (bedeutungsschwer für die sozio-humane Entwicklung in ihrer artgerechten Weise). Es ist in unserer Gesellschaft schon schwierig die Frau als Mutter zu identifizieren und zu würdigen, ihren bedeutsamen Status als 'Schwester' und diese somit als Mit-Tochter einer Mutter anzuerkennen, wird im heutigen Mainstream als Relikt gehandelt.

Ja schlimmer noch, für manche stehen Schwestern als Synonym für weibliche Konkurrenz (um die Eltern- oder Vaterliebe) und allzu gern gilt Schwesternrivalität als der Prototyp für den Zickenkrieg (um den Mann). Bei inniger Zugewandtheit und Einigkeit unter Schwestern wittert so manch einer ein eher unnatürliches Verhalten. Alle drei Punkte sind letztlich Verdrehung der Tatsachen und eine biologistische Etikettierung. Dazu kommt noch: Geschwisterliche Koalitionen stehen in unserer sexualfixierten Patri-Kultur unter einem latentem Generalverdacht.

Die in unserer Gesellschaftskultur generelle und patriarchös motivierte Narrenfreiheit für Brüder (ideell oder blutsverwandt) gilt in der Regel nicht für Schwestern, also Frauen überhaupt. Die bekannten bzw. geduldeten Schwesternschaften der letzten Jahrhunderte sind Nonnenorden und andere Kongregationen. Diese Art der nichtverwandten Bündnisse finden im göttlichen also prinzipiell männlichen Geiste und unter dem Dach einer religiös motivierten oder ähnlichen Institution statt. Auch wenn sie sich teilweise ihre Regeln selbst geben könnten, unterwerfen sich Frauenorden u.a. prinzipiell dem männlich-göttlichen Ideal, was Jahrhundertelang im christlichen Abendland auch einen gewissen Schutz bedeutete.

Die „Brüderlichkeit“, die in der Menschenrechtscharta beschworen wird, ist ein ideeller Wert, der wirkliche Geschwisterlichkeit überhaupt nicht im Sinn hat. Das Idol einer getreuen Bruderschaft und Kumpanei findet auf Grund tradierter Prägung (von der Bibel bis zum Roman 'Die drei Musketiere') nur im patri-typischen Männeruniversum statt. Diese Art Verbrüderung blendet die Frau als Mitmensch, sowie in ihrer Eigenschaft als Schwester und des weiteren die natürlich vorhandenen (matrilinearen) Angehörige und Bezugsperson per se aus. Solange in der patriarchösen (herrschaftlich eingesetzten) Leitkultur eine Frau generell nur als Sexual-Partnerin definiert bzw. als verfügbares Objekt wahrgenommen wird, nimmt die leibliche Schwester den Rang eines zu schützenden Besitzes bzw. die Bedeutung eines, der Familienehre unterworfenen, Handelsobjekts ein. Im patriarchalen Kosmos ist letztlich eine Schwester von Anbeginn an die (zukünftige) Frau eines anderen Mannes und somit für den Bruder als Mitmensch, Sippenangehörige und unmittelbare Bezugsperson im Alltag nur für eine gewisse Zeit präsent und danach verloren.

In einem Matrifokal ist der 'Geschwisterkreis' eine nachhaltige und tragende Basis. Sie umfasst die Kinder aller Schwestern und Basen in der unmittelbaren Bindungsgemeinschaft eines Matrifokals. Im naturgemäßen Sinn bildet die Zugehörigkeit zur Mutterlinie die Identitätsgrundlage, in der naturgemäß alle männlichen Angehörigen (Söhne, Brüder, Vettern) integriert sind. Schwestern sind für die Brüder in diesem natürlich strukturierten Sozialkontext wahrscheinlich von größerer Bedeutung als die Brüder. Die Schwester (und ihre anderen Dimensionen: Mutter und Großmutter) garantierten das gute Leben im Alltag der Gegenwart und für die Zukunft.
Der Bruder (der männliche konsanguine Angehörige) ist hier als Teil der (ur-matrifokalen) Schutzsphäre von aktueller Bedeutung. Geschwisterkreise sind bekanntermaßen sehr verschieden zusammengesetzt und manch einer kennt, besonders heutzutage, gar keine Geschwister. Da Basen und Vettern, die in einem Matrifokal sozusagen zur Grundausstattung gehören, im unmittelbaren Umfeld unserer Kinder fast schon selten sind, wäre es eine natürliche Aufgabe der älteren Erwachsenen ihren Kindern die Bedeutung der konsanguinen Angehörigen nahezubringen. So bezeichnet unsere Vierjährigen ihre neunjährige Kusine auch ganz selbstverständlich als ihre Schwester.

(Hinterdreinchen haben es nicht leicht, ich weiß wovon ich spreche. Die anderen beiden Kleinen in der Enkelkinderrunde wohnen weit weg, dabei wäre es eine tolle Kombi zum Spielen und Begegnen: fünf, vier und drei … nach einem Besuch untereinander ist die angefachte Sehnsucht immer wieder deutlich zu spüren am nächsten Tag einfach weitermachen zu können mit einem neuen, aber auch alltäglichen Miteinander...)

Das Matrifokal ist eine geschwisterbasierte Bindungsgemeinschaft - Inniges und zugewandtes Miteinander und persönliche Vertrautheit (in individueller Ausprägung) sind die Basiswerte in der Gestaltung des Alltag, während der gemeinsamen Arbeit und der Pflege und Begleitung des Sippennachwuchses. Wobei Brüder naturgemäß andere Aufgaben wahrnehmen, als die (bemutternden) Schwestern. Die (artgerechte) Bindung an die gemeinsame Ahnin gibt von Geburt an die Identität und das Zugehörigkeitsverständnis vor.

Die enge Auslegung und die gleichzeitig vorprogrammierte Distanzierung von den konsanguinen Angehörigen (und hier vor allem unter den Geschwistern) sind in der modernen Gesellschaft fast ein Dogma. In der patriarchalen Familie findet das Geschwisterverständnis in erster Linie im Denken und in Bezug auf einen gemeinsamen leiblichen Vater statt. Kinder werden auch heute noch automatisch den Vätern zugeordnet*. Nach wie vor triumphiert die Patrilinearität (auch ohne Patrilokalität) über die artgerechte Mutterlinie.

(*der neue Gesetzentwurf von Heiko Maas zeigt den Trend deutlich

Bruderschaften haben wenig mit dem konsanguin verwandten Bruder zu tun, sondern werden als Interessen- und Zweckgemeinschaften unter Männer verstanden. Sie sind eine der Grundlagen des Patriarchats. Nicht allein der 'Zeugungsanspruch' der Väter begründete das patriarchale System, sondern vor allem die Machtaggression einiger Alphamänner, gestützt auf das Komplott der nichtverwandten „Brüder“. Verbrüderungen, also Bündnisse, die vor allem die weibliche Herkunftsverwandtschaft ausschließen, sind bereits die Gewaltgrundlage der anonymen, androzentrierten Gesellschaft, die schnell all die Züge annahmen, die wir heute als terroristisch, sexistisch und rassistisch bezeichnen.

»Männerbünde (kriegerische Schwurgemeinschaften) waren ein zentrales Merkmal aller alten indoeuropäischen Kulturen.« (Kris Kershaw) Zitat aus http://www.doriswolf.com/wp/?page_id=4574

Die untereinander konkurrierenden Androkonzentrate (auf der Basis von Herrschaftsmacht und Gewalt) setzten seit Beginn der Patriarchose auf (Männer)Bündnisse aller Art und verlassen sich vom Prinzip her nicht auf einen tatsächlichen leiblichen Bruder. Die patriarchalen Strukturen gründen auf Bindungslosigkeit und sind hierarchischer Beschaffenheit. Das Beziehungsgeflecht, das die einer Leitkultur unterworfenen, anonymne Gesellschaft ausmacht, besteht aus kleineren (hierzu gehören Familienverbände) und größeren Communitys (wie Staatenbildung bis hin zu Imperien), die sich kaum aus verwandten Individuen zusammensetzen. So ist zum Beispiel der Heeresverband eines Herrschers ein bunter Haufen von überwiegend untereinander sich völlig fremder Männern geeint unter einem Banner und monetärem Anreiz. Eventuell trifft man auf Bekannte aus dem Herkunftsort und gelegentlich ziehen auch leibliche Verwandte gemeinsam aus, aber es gehört wiederum zum System Verbrüderungen (Bündnisse auf persönlicher Ebene) innerhalb organisierter Verbände zu verhindern. Es ist im Interesse eines jeden Herrschers keine, ihm gefährlich werdenden brüderlichen Bündnisse zuzulassen.

Obwohl die Zusammenrottung von Männern durchaus als Gefahrenpotential bekannt ist, wird das fast schon absurdes Ideal der Brüderlichkeit ungebrochen hochgehalten. Es ist mehr ein euphorischer Wahn, als ein tatsächliches solides Verantwortungsbewusstsein für einander (siehe auch der Hype, der besonders bei filmischen Darstellungen um die Partnerschaften bei Polizisten oder in anderen Vereinen entsteht. Die Loyalität zu dem Partner wird so aufgewertet, dass alle anderen Bindungen weit zurück treten müssen). Bruderschaften und jede Form von Männerbündnissen sind geschickt eingesetzte Machtmittel diverser Herrschercliquen. Und 'Alle Menschen werden Brüder' können wir eigentlich als einen Teil des Stockholmsyndrom der kollektiven patriarchösen Geiselnahme ansehen.

(* Verbrüderung schließt also per se das andere Geschlecht aus … hier bleiben die Brüder unter sich, mit den wenigen Ausnahmen der Zuarbeit durch weibliches Personal und den Erfüllungsgehilfinnen der Lustbarkeit...

Der Begriff Schwesternschaft wird dieweil durchaus auch im Sinne einer tatsächlichen, durch Geburt bestehenden konsanguinen Verwandtschaft angewendet. Zwar haben sich im Patriarchat ähnliche Bündnisse unter der Bezeichnung einer Schwesternschaft* gebildet. Sie werden forciert und instrumentalisiert um Fauen zu separieren, die nicht in der üblichen "ein Mann verfügt direkt über / besitzt eine Frau" - Vorgabe des Patriarchats ihren Platz gefunden haben. Zusammenschlüsse von nicht-verwandten Frauen sind in der Regel auch den Dogmen der Patriarchose unterworfen. So sind beispielsweise die klösterlich lebenden Nenn-Schwestern zwar unter sich, jedoch direkt oder pro forma immer einem Herrn unterworfen, dessen Kult ihren Alltag bestimmt. Diese Frauen sind von ihrem konsanguinen Background (dem verwandtschaftlichen Hintergrund) isoliert und bilden nicht nur ein kulturell-soziales Zweckbündnis, sondern stellen auch die Schutzgemeinschaft** für die vereinzelten Frauen diverser Kongregationen. Gleich welcher Geschlechterkombination ist die naturgemäße Bindung von Geschwistern ein matrifokales Selbstverständnis und daher im Patriarchat ein fast schon zu unterbindender Frevel, wenn es nicht gerade dem Erhalt einer Machtstruktur dient.

* ist per se dem anderen Geschlecht unterstellt … eine der wenigen Ausnahmen sind hier die Beginen des Mittelalters...
** Klostertüren können nur von innen geöffnet werden...

Anhang:
Der Begriff des sogenannten Avunkulats ist eigentlich eine Interpretation des Matrifokals aus patriarchaler Sicht. Der Mutterbruder als handelnde Person, rückt hier in den Fokus der Aufmerksamkeit und der Wertung der Geschlechter. Dabei sollten wir im matrifokalen Verständnis den Mutterbruder als eine soziale Ur-Einrichtung ohne besondere kollektive Aufwertung verstehen. Als Sohn und Bruder ist er von seiner Geburt bis zu seinem Tod ein integraler Teil des Matrifokals und damit essentieller Bestandteil des Arterhalts, ohne an der Zeugung des Nachwuchses innerhalb seines Nähekreises beteiligt zu sein. Das ist das Besondere an dem (matrifokalen) konsanguinen Bruders, er tat (tut) mehr für den Lebenserhalt des Nachwuchses, als der Spermaspender von außerhalb des unmittelbaren Matrifokals, der als “Vater“ eine ungewisse Entität ist.
... siehe Wikipedia: Avunkulat (von lateinisch avunculus „Muttersbruder“) bezeichnet in der Ethnosoziologie eine Familienform und gemeinschaftliche Organisationsweise, bei welcher der Onkel mütterlicherseits (der Oheim: Bruder der Mutter) die soziale Vaterschaft für die Kinder seiner Schwester übernimmt;[1] oft ziehen ihre Kinder auch zu ihm (Avunkulokalität) und erben schließlich seinen Status und Besitz, während seine eigenen Kinder bei ihrer Mutter oder deren Bruder verbleiben.
Das Avunkulat als Form der Elternschaft findet sich weltweit bei vielen der rund 160 Ethnien und indigenen Völkern, die sich nach der mütterseitigen Abstammung organisieren (matrilinear).[2] Bei ihnen spielt der biologische Vater bei der Erziehung und Entwicklung der Kinder keine oder nur eine untergeordnete Rolle und hat somit keine Autorität über seine leiblichen Kinder. In matrilinearen Verwandtschaftssystemen gelten Kinder in jedem Fall als mit ihrer Mutter verwandt, jedoch nicht zwangsläufig auch mit ihrem Vater (dem Partner oder Ehemann ihrer Mutter). Insbesondere in Gesellschaften mit freizügigem Sexualleben und Vielehen (Polygamie) ist die genetische Verwandtschaft eines Vaters mit seinen Kindern nicht zu garantieren. Zur Förderung des eigenen Familienverbandes (Clan, Lineage) ist es infolgedessen von Vorteil, die blutsverwandten Kinder der eigenen Schwestern zu unterstützen. Das Avunkulat wurde erstmals bei den nordamerikanischen Indianer-Stämmen der Huronen beobachtet.


Salonvortrag Teil VI - Der Vater des Gedankens oder patri versus matri

Das Patriarchat entstand (u.a.) aus dem „Vater des Gedankens“, dass das Leben durch einen Vater in die Welt kommt. Da jedoch weder die evolutionäre, noch die biologische und schon gar nicht die offensichtliche Erfahrungspraxis diese Idee belegen, blieb eben nur der ideologische Kniff, einen männlichen Schöpfergeist über die vorhandene organische sowie anorganische Natur zu setzen um das Idol 'Vater' zu erschaffen. Es wurden Tatsachen und Mythen gefälscht sowie die Gebärmacht der Frauen (des Weiblichen überhaupt) als Faktum ignoriert und als Ausbeutungsobjekt annektiert. Es ist nun mal so, mit einer Waffe in der Hand lässt sich auf Dauer jede noch so blöde Ideologie, jede Grausamkeit und jeder inhumane Machtanspruch durchsetzen.

Aus den anfänglichen (weitgehend geschichtlich belegten) Aggressoren, unterstützt von ihren Ideologen, den (Hohe)Priestern und den eingeschworenen Waffenbrüdern, formten sich in der Kulturwelt die Prototypen der bis heute wirksamen Herrschereliten. Der Beginn des Androzentrismus ging Hand in Hand mit den Anfängen der Patriarchose. Das Vater-Idol war das Einfallstor in das bisherige friedfertige Sozialleben und das heutige Vater-Ideal ist die Weiterführung. Die individuelle körperliche Stärke eines Mannes und seine „Manneskraft“, sprich die Vorstellung davon viele Kinder „gezeugt“ zu haben, zu bewundern, wurde zum gesellschaftlichen Dogma erhoben und gleichzeitig als Tabu eingeführt, das nicht angezweifelt werden durfte. Der bis dahin nicht existente 'Vater' des Menschengeschlechts stieg zum Initiator allen Lebens und Sein auf und ein jeder Mann partizipiert bis heute von der Erfindung und Idee das Maskulinum zum Gott zu erklären – nicht nur als der vorhandenen Natur überlegen, nein auch noch als ihr Schöpfer und als solcher omnipotent. Entsprungen dem Wahn einer vermeintlichen Überlegenheit, die sich aus dem Engagement des gewaltbereiten Mannes speist.

Die offensichtliche Hybris des, zu jeder Form von Gewalt bereiten Mannes, begründet(e) jedweden Wahnsinn, jede Zerstörung, selbst die totale Vernichtung von Leben mit einem direkten oder indirekten Gottesauftrag. Die probaten Mittel zum Erhalt eines Herrschaftsanspruches ist die vom patriarchalen Mann angestrebte absolute Kontrolle. Und dieses Beherrschen durch Vorgaben, Gesetze und religiöse Dogmen erreichten die Herrschercliquen über stabile (aber auch jederzeit kündbare) Bündnisse mit Gleichgesinnten oder Pakte mit Komplizen. Dieser (schon längst aus dem Ruder gelaufene und daher lebensfeindliche) Hang des Kontrollierens und der Machtananspruch über alle Lebewesen, über ihre natürlichen Fähigkeiten bzw. die Unterdrückung ihrer Unberechenbarkeit, entspringen dem männlichen Trieb sich selbst zu erhalten. Abgelöst vom natürlichen Effekt des Arterhaltes ist der patriarchale Mann eine reine Ego-Nummer.

Der bekannte Herrschaftsanspruch des Mannes ist also nichts weiter, als seinen unrechtmäßigen hochpotenzierten Selbsterhalt ohne den damit verknüpften naturgemäßen (fürsorgenden) Part des Arterhalt auszuleben. In der Patriarchose spielt sowohl der natürlich vorhandene als auch der durch den Mann gesteuerte Arterhalt, nur dann eine Rolle, wenn er die Macht der Eliten mehrt und stabilisiert (Söhne in der Patrilinearität) und Lebendmaterial* hervorbringt, die als "nachwachsende" Ressource verbraucht werden kann. Hier ist die Frau und Mutter als eine Art Produktionsmittel in die monströse Ideenwelt der Machbarkeit integriert worden und wird als permanent "Stillende" für jede Form männlicher Bedürfnisse eingesetzt und gehalten. Kein Wunder, dass das Stillen von Kindern so unpopulär ist und aus der Öffentlichkeit verbannt wird. Der Mann erhebt auf diese weibliche Kompetenz quasi einen Daueranspruch.

(* Pflanzen, Tiere, Mitmenschen...

Der Mann, im biologischen Geschehen eher eine Art Minderheit, machte sich zum Herr(scher), zum Vater, zum Gott!

Christa Mulack schreibt in „Die Wurzeln weiblicher Macht“ (1996/2006) Seite 125: „Obwohl Männer in westlichen Ländern nur höchstens 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ist die politische Macht fast ausschließlich in ihren Händen. Als eine Minderheit sind sie es, die eine Mehrheit von 70 Prozent – Frauen und Kinder – beherrschen und an den Rand der Gesellschaft drängen.“ ...Und weiter: „Auf der anderen Seite hat der Mann inzwischen wohl hinlänglich bewiesen, dass er mit Macht nicht umgehen kann. Ein Blick auf die Probleme dieser Welt führt uns dies eindringlich vor Augen. Ob politische oder soziale Macht, ob Wissenschafts- oder Finanzmacht, ob Schutzmacht oder Religionsmacht, Beziehungsmacht oder Erziehungsmacht, Männer bedienen sich überproportional häufig zu eigennützigen und korrupten Zwecken. Sie verfolgen damit alles andere als das Wohl des Volkes und schon gar nicht das Wohl des Kindes oder gar der Frau.

Aber nicht erst heute in der westlichen Welt, sind die erwachsenen Männer als Minderheit vorhanden. Bei all den bekannten und übertriebenen Darstellungen von Männerhorden, welche angeblich die Ur- oder Steinzeit bevölkert haben sollen, handelt sich wohl wie so oft um eine der Gedankenlosigkeiten, bei welcher der Wunsch der Vater des Gedanken ist. All die großen kräftigen und gut im Futter stehenden Steinzeitjäger, musste ja erst einmal durch eine Mutter zur Welt gebracht, genährt und aufgezogen werden. Wir wissen, dass in Notzeiten mehr Mädchen geboren werden, denn das Weibliche erhält den Nachwuchs. Wir wissen, dass Jungs als anfälliger gelten und unter ungünstigen Bedingungen es schwerer mit dem Überleben haben. Wir wissen, dass der junge und auch der ausgewachsene Mann zu einem gewissen Risikoverhalten neigt und (heute noch) statistisch mehr verunfallt. Wir wissen, dass es kein artgerechter Effekt ist, dass (fremde) Männer (als Väter) Kinder aufziehen. Und wenn wir ehrlich sind, funktioniert es im modernem Bemühen auch heute nur recht und schlecht. Der im Mainstream der Gesellschaft (seit ein paar Jahrzehnten) bestehende Anspruch den neuen, sozial engagierten und kinderlieben Vater vehement zu fördern, läuft letztendlich auf die unsinnige Forderung hinaus, dass Väter als die besseren Mütter angesehen werden sollen. Noch sind wir bei einer geradezu unnatürlichen Gleichberechtigung von Vater und Mutter. Eltern sein wird heute zu einer immer größeren Herausforderung, im besonderen für Mütter, die all die abstrusen gesellschaftlichen Forderungen ausbalncieren müssen.

Egal wie Elternschaft zustande kommt und sich im einzelnen gestaltet, der Druck den Mann als leiblichen oder nur "sozialen" Vater der naturgemäßen Mutter um jeden Preis gleichzusetzen, läuft auf Hochtouren. Der Kaukasische Kreidekreis in den immer mehr Elternpaare treten, wird zur selbstverständlichen Arena, in der am Kinde herumgezerrt werden darf, damit die Vaterrechte gewahrt bleiben. Da in der modernen (westlichen) Gesellschaft das Kind nicht mehr als Besitz des Vaters angesehen werden darf (selbst wenn dieser glaubt einen Anspruch darauf zu haben), wurde peu a peu eine Gesetzeslage geschaffen, die das väterliche (Sorge)Recht über die (Für)Sorgepflicht stellt. Da Väter kein (natürliches) bemutterndes Verhalten leisten (können), jedoch trotzdem an der Verwandtschaft mit dem Kind teilhaben wollen, ist das 'Recht' des Mannes 'am Kind', zu einem 'Recht des Kindes am Vater' umdeklariert worden. Dieses „Recht“ wird auch gegen den Willen des Kindes durchgesetzt, wie ungezählte aktuelle Beispiele vor Gericht immer wieder beweisen. Die Mutter, die erste (und einzige) Instanz für das Wohl des Kindes, wird durch die aktuellen Gesetze demontiert und sogar aus der angestrebten Gleichberechtigung gekickt. Denn das mit Legislative und Exekutive durchgesetzte „Recht des Kindes“ an seinem biologischen Vater führt immer wieder zu Situationen in denen sowohl der Mutter als auch dem Kind Gewalt* angetan wird. Denn all die neuen Verschlimmbesserungen um Sorgerecht und Kindeswohl, führen nicht selten dazu, dass Mütter ihre Kinder verlieren. Dazu kommt, dass die Gesetze auch nicht wirklich dafür vorgesehen sind, einer Mutter ganz konkret zu helfen den Alltag mit ihrem Kind störungs- und sorgenfrei zu gestalten. Da in unserer Gesellschaft so gut wie jede Mutter ihre Kinder getrennt von ihrer Herkunftsfamilie bzw. ihrer Mutterlinie aufzieht und ihr neben einem Alleingang als einziger Unterstützer nach patriarchalem Dogma nur ein, möglichst männlicher, Partner zu Seite zu stehen hat, finden sich eine wachsende Anzahl von Müttern in der Falle der, im Mainstream sogenannten getrennt Erziehenden bzw. Alleinerziehenden, welche letztendlich vor allem eine Alleinsorgende ist! Dass darunter auch ein paar Väter sind - geschenkt.

(* hier darf die noch wenig beachtete 'wirtschaftliche' Gewalt nicht übersehen werden, das finanzielle Ausbluten der Mutter-Kind-Einheiten, dass selbst durch die Gesetzeslage gestützt wird

Der väterliche Anspruch: das ist „mein Kind“, wird heute nur zu gern als freundliche Bewerbung um Verantwortung und Fürsorgebereitschaft gedeutet. Und da es eine sehr junge Erscheinung ist, dass dem (leiblichen) Vater nicht nur alle Rechte hinterher geworfen werden, sondern alle so tun, als wäre es das natürliche Anliegen eines jeden Mannes in unmittelbarer Alltagssorge ein Kind aufzuziehen, wird dieses als Fortschritt gedeutet und gegenüber dem demontierten Mutterstatus besonders gepampert.

Das Problem ist jedoch nach wie vor: der Mann als solches nimmt sich den Vateranspruch einfach und dass nun schon seit ein paar tausend Jahren. Und zwar lediglich aus der Vermutung heraus, dass sein Anteil an der Entstehung eines Kindes wohl sehr viel größer sein müsste, als zuvor angenommen. Hier setzt auch die Hybris ein, die den Mann als Ebenbild der omnipotent gedachten Götter bzw. eines universellen Gottes voraussetzt. Damit entschloss sich dereinst dieser hypothetische Mann nicht etwa, seine soziale Fürsorgekompetenz nur noch den 'eigenen leiblichen' Kinder zu gute kommen zu lassen, statt den Kindern seiner Schwestern, sondern er leitete daraus Besitzrechte und inhumane Machtbefugnisse ab.

Für einen Mann war das leibliche Kind (bis vor kurzem) ohnehin nur gewiss, wenn die Mutter des Kindes einer strengen sozialen Kontrolle unterworfen wurde. Da auch keine im äußerlichen Aussehen oder im Wesen vorhandene Ähnlichkeiten des Nachwuchses eine Garantie boten (der „Vater“ könnte ja ebenso ein naher Verwandter gewesen sein), musste die potentielle Mutter rigiden Einschränkungen unterworfen werden. Ihrer persönliche Freiheit und ihre naturgemäße Female Choice wurde dem väterlichen Machtanspruch geopfert. Ihre Kinder galten als Kinder eines Mannes und das musste nicht immer mit einer leiblichen Verwandtschaft zu tun haben, z.B. das Kind einer versklavten Frau gehörte immer ihrem Herrn und er verfügte willkürlich daüber.

Trotzdem zogen sich durch die patriarchösen Kulturen auch viele, offizielle oder geheime, detailliert und intern ausgehandelte Arrangements, wenn es um die Geburt eines 'Erben' ging. Besonders wenn der Erbe für politische Interessen herhalten musste. Diese Praxis der idellen Leihmutterschaft ist besonders gut in der Bibel belegt. Auch Jesus ist so ein (von Gott anektierter) Sohn einer irdischen Mutter - Maria - eine Frau, die ihre Female Choice lebte und trotzdem ihr Kind an einen patriarchalen Gott verlor. Der unbekannte Mitzeugende wurde nicht mehr thematisiert und statt dessen die Jungfrauengeburt als Dogma ververbreitet.

In den Anfängen der Patriarchose hatte der Vateranspruch des privilegierten Mannes, absolut nichts mit der individuellen Fürsorge für das „eigene“ Kind zu tun. Seine Ambitionen entsprangen dem Machtanspruch, den die sich etablierenden (Gewalt)Herrschers einfach herausnahmen und dabei die Ungewissheit der Vaterschaft auch mal außer Acht ließen. Der Sohn, als Erbsohn und Nachfolger avancierte im Spiel der Macht zu einer unbedingten Größe. Seine Bedeutung als Erstgeborener rangierte vor seinen andern Brüdern oder gar Schwestern.

Die ersten androzentrierten Kulturen feierten den Vater-Herrscher-Gott als Lebensspender und Schöpfer - so begann das Patriarchat. Den tatsächlichen persönlichen, vor allem körperlichen Einsatz des Schwangerseins und Gebärens sowie die Arbeit der Nachwuchspflege blieb logischerweise weiter der Mutter vorbehalten. Da die matrifokale Sippengemeinschaft nicht mehr in der Patrilokalität präsent sein durfte, wurde in den Väter-Haushalten weiteres weibliches, meist versklavten, Personal hinzugezogen. Die Hausgemeinschaften der Eliten, die Familien (röm. familia), wurden die Vorbilder des menschlichen Zusammenlebens, und prägten die soziale Leitkultur der Gesellschaft. So entstanden schnell die patrilinear gelenkten Gesellschaftsstrukturen, mit denen wir uns noch heute herumplagen. In den Zeiten der beginnenden Patriarchose taten Väter sicher alles mögliche, aber nicht wirklich persönlich ihre Kinder versorgen.

Die heutige (quasi weichgespülte) Variante des „sozial engagierten“ Vaters, der seine Kinder betreut und selbst aufzieht, ist im Wertekodex des Patri-Systems eigentlich erst ein paar Jahrzehnte alt. Die Erwartung an den Vater sein Kind, aktiv selbst zu betreuen und ohne es dabei als Besitz zu werten, besteht noch nicht mal hundert Jahren. Unter anderem weil die gesellschaftlichen Konventionen, die wir entwickelt haben, den Mann dazu zwingt seine Vater(= Verursacher*)–Verpflichtungen wahrzunehmen. Das schlägt sich, wenn auch nicht immer eindeutig, in der Gesetzeslage nieder. Daher wird an dieser auch ständig herumgebastelt, um dem Mann als Vater einen Status zu verschaffen, der ihn schleunigst wieder über die inzwischen frei agierende Mutter stellt. Ein großer Teil des Alltagsgeschehens einer alleinerziehenden Mutter (also einer Frau die ihre Female Choice wahrnimmt) rankt sich um diese Problematik. Wobei meines Erachtens das „alleinerziehend“ das eigentliche Problem darstellt. Im aktuellen Mainstream wird „alleinerziehend“ nur mit der Tatsache assoziiert, dass in dem Haushalt kein Mann anwesend ist und vermehrt soll jetzt der Ausdruck 'getrennt erziehend' angewendet werden. Dass wir als sozial lebende Spezies unserer matrilinearen Sippe bedürfen, wird weiter nachdrücklich verdrängt. Unsere Mütter, ob nun mit oder ohne Partner, sind immer mutterseelenallein-erziehend. Irgendein Mann kann jederzeit hinzutreten, sich jedoch mit der eigenen Mutterlinie wieder zu verbünden, ist für die meisten der modernen Mütter unvorstellbar und daher äußerst selten.
Das gesamte Wertesystem, das die Vätergesellschaft also das etablierte Patriarchat, ausmacht, besitzt einen biologistischen** Ansatz, der das gesamte Leben in nützlich und wertvoll oder unnütz und unwert einteilt. Der evolutionär, also natürlich, angelegte Bindungsbezug unter konsanguinen Angehörigen der Menschenart, ging dabei flöten. Der Vater beanspruchte von Beginn der Patriarchie „sein“ Kind, wenn er denn gewillt war es als solches anzuerkennen.

(* das Verursacherprinzip legt hier an der Vorstellung an: ohne Mann kein Kind… das 'ohne eine Mutter auch nicht' wird in der Regel nicht mitgedacht...
(** die innerkörperlichen Abläufe (der Lebensreproduktion) zu erforschen (insbesondere beim Menschen) und dabei zu sachlichen Ergebnissen, sprich evo-biotischen Erkenntnissen, zu kommen und die daraus entstehenden Konsequenzen auf das Verhalten innerhalb der Gesellschaft zu übertragen, ist selten die Grundlage für gesellschaftliche Konventionen. Noch wird gern in patriarchaler Manie daraus eine Wertung, bezogen auf Sozialstatus oder kulturell tradierte Hierarchien abgeleitet. Und das müssen wir dann mit dem Modewort “biologistisch“ versehen

Salonvortrag Teil VII - Das natürliche Matrifokal oder … ein surrogater Wahlklan?

Die Familie oder der scheinbar fortschrittlichere Wahlklan ist eigentlich das gleiche und umgeht weiterhin die generationsübergreifende Herkunftsbezogenheit in mütterlicher Linie.

Die Frage nach dem sogenannten Wahlklan (ein Antwortkommentar von meinem Blog)
eine junge Bloggerin kommentierte auf meinem Blog: Einem Punkt (oder zwei?) stehe ich da aber kritisch gegenüber: nämlich dass es zwingend auf Blutsverwandschaft aufgebaut sein soll, oder zumindest den Eindruck erweckt. Auch in diesem Text wird ausdrücklich von "Wahlclans" distanziert - und das finde ich einen Fehler.“

meine Antwort dazu: "Nein es erweckt nicht nur den Eindruck, die Blutsverwandtschaft ist tatsächlich die Voraussetzung dieser absolut nicht neuen Idee. Unser artgerechtes Menschsein ging aus urnatürlichen konsanguinen Gruppierungen hervor - durch Geburt verwandt in mütterlicher Linie - Mutter und Tochter und Sohn, Bruder und Schwester, Großmutter, Muhme und Mutterbruder. Väter im heutigen Verständnis existierten nicht und ihre Machtstellung, wie wir sie durch das patriarchöse System kennen, schon gar nicht. Der Witz ist ja, dass so etwas wie der von manchen geforderte Wahlklan ohnehin existiert. Genaugenommen ist die derzeitige (Patchwork-)Familienlandschaft nichts anderes. Das heutige gelockerte Familienmodell lässt sich hier jederzeit in einen sogenannten Wahlklan umwandeln. Denn hier setzt der Umstand an, dass die Macht des Vaterrechts, die sich noch vor ein paar Jahrzehnten auch in unseren Gesetzen widerspiegelte, zugunsten der angestrebten Gleichberechtigung von Mann und Frau fast nicht mehr greift. Der Anzeiger dafür ist die Tatsache, dass es mehr und mehr Frauen (und auch Männern) möglich ist allein zu leben und ihre Kinder aufzuziehen. Die sogenannten Alleinerziehenden haben es allerdings nicht leicht, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht. Das Ausbrechen aus den Konventionen der tradierten Wertvorstellungen ist durchaus nicht wirklich anerkannt und wird latent bestraft. Noch ist die normative Hauptoption die Kleinfamilie auf Basis der Paarbildung. Die heute auch als Partnerschaft bezeichnete Pärchenkultur ist variabel und besteht nicht mehr auf lebenslange Treue, auch nicht mehr auf eine Heterokombination. Der sogenannte Wahlklan ist somit bereits existent und letztendlich nur eine Spielart der patriarchalen Familie. Die Familie ist von ihrem Wesen her eine patrilineare und patrilokale Einrichtung, die heute auch durch eine weibliche Person „gegründet“ werden kann. Das Grundprinzip bleibt - die Beliebigkeit der Partner und das sexuelle Begehren als Auslöser der temporär exklusiv angelegten Beziehung zu der man sich gerade bekennt. Wir kennen und praktizieren heute in unserem Kulturkreis die Freiheit einen Lebenspartner wählen zu können ohne uns den rigiden gesellschaftlichen Konventionen der unmittelbaren Vergangenheit unterwerfen zu müssen. Der allgemein anerkannte Standard ist die serielle Monogamie. Wenn die Wohnbedingungen den Teilnehmern zusagen ist auch jederzeit ein Zusammenschluss zu einem Klan meiner Wahl möglich.
Allerdings wird heutzutage in unserem westlichen Kulturkreis ein frei gewählter Klan wie auch jede andere Beziehung, vom Gesetz her nur vage gestützt und auch nicht extra geschützt. Die wirkliche Unterstützung erfährt in unserem Land (in der westlichen Welt) sowie so nur 'die Ehe'. Nicht einmal die Kinder aufziehende Familie genießt den besonderen Schutz des Staates, sonst hätten all die sogenannten alleinerziehenden Mütter (und Väter) nicht so zu kämpfen. Der sogenannte Wahlklan ist also nichts, um das gekämpft werden muss, da er in seinen Grundlagen bereits existieren. Was heute immer noch nicht selbstverständlich ist, sind die uns artgerechten, natürlich gewachsenen Sippenstrukturen.
Es geht also nicht um die Genehmigung mit X oder Y zusammenzuleben zu dürfen, sondern darum, dass Menschen, die konsanguin, also matrilinear, bereits verwandt sind, weiterhin eine Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft bilden dürfen und zwar gesellschaftlich (sozial), staatlich (politisch) und gesetzlich (legislativ) anerkannt. Das ist nämlich aufgrund bestimmter (Inzest)Gesetze so (noch) nicht möglich. Derzeit ist es normal und gewünscht, dass sich Erwachsene aus ihren Herkunftszusammenhängen lösen und in der Hauptsache eine auf „Liebe“ ausgerichtete Beziehungsgemeinschaft gründen, in welcher die romantische und am liebsten lebenslange Liebe jedoch vor allem eines meint: exklusive Sexualität. Das aus zwei bislang Unbekannten bestehende Paar bildet die Grundlage einer sogenannten 'neuen Familie'. Daher finde ich, alles was du forderst gibt es bereits.
Was uns bisher fehlt, ist die tatsächliche Alternative zu den herkömmlichen Spielarten der (patriarchalen) Kleinfamilie auf der Basis (der gottgewollten) Ehe – eben die konsanguine Muttersippe bzw. der Mutterclan. Das bedeutet, dass die Basis einer (dauerhaften und nachhaltigen) Lebensgemeinschaft nicht die Sexualität ist, sondern vor allem die mütterlichen, die menschlichen Werte der gegenseitigen Fürsorge sind. Generationsübergreifendes Zusammenleben in mütterlicher Linie, ein artgerechtes gemeinsames (geschwisterliches) Aufziehen der Kinder in der, bei Geburt vorhandenen Sippe, finden wir in dem naturgemäßen Matrifokal, dem Urmodell des menschlichen Zusammenlebens.
Wir sind an das Ehe- und Familienkonzept so gewöhnt und darauf konditioniert, dass sich die meisten gar nichts anderes vorstellen können. Und die Gesetzgebung sowie die gesellschaftliche Meinung trägt dem seit vielen Jahrhunderten Rechnung. Vom Diktat des Vaters in der Familie haben wir es in unserer Zeit zur bemühten Vorstellung von Partnerschaft auf Augenhöhe geschafft. Aber leider handelt es sich bei der sogenannten Partnerschaft und dem beliebten Kleinfamilienklassiker auf der Grundlage des Ehe/Eltern-Paares auch nur um ein künstliches, unter patriarchalen Bedingungen entstandenes Konstrukt."
(Zitat Ende)

Die immer wieder aufflammende Idee einen mütterbezogenen Wahlklan aufzuziehen ist als eine Art Zwischenschritt zu werten. Von sofort auf gleich die patriarchale Kleinfamilie unter der typisch tradierten männlichen Deutungshoheit in die Naturform des genuinen Matrifokals zu überführen, ist kaum möglich. Trotzdem scheint es mir nicht schlüssig, noch eine nicht funktionierende Ehrenrunde über die Praxis eines sogenannten Wahl-Klan zu drehen. Denn der Wahl-Klan wird in der Regel auf Grund der bestehenden Parameter des Patriarchats angedacht: den zuvor vereinzelten Erwachsenen erst beim Zuwenden zum Arterhalt wieder in eine Gemeinschaftsform einzubinden, die hier allerdings aus mehr als zwei Personen bestehen soll und die sich vermutlich auch wieder aus Nicht-Verwandten zusammensetzt. Das Anstreben des generationsübergreifenden Effektes aus einer ideellen Bereitschaftserklärung heraus, jedoch ohne tatsächliche Verbindlichkeit wird meiner Meinug nach eher in Ausnahmefällen funktionieren. Ebenso wie eine ideelle Geschwisterlichkeit kaum als Surrogat zur tatsächlichen Matrix des Verschwistertsein durch Geburt in mütterlicher Linie eine tatsächliche Chance hätte.

Mit einem anderen Kommentar werfe ich einen weiteren Trugschluss auf (zu einem Artikel http://www.sueddeutsche.de/politik/emanzipation-aufstieg-und-niedergang-des-patriarchats-1.2971721)
"... aber soweit kann ich schon feststellen, dass wieder einmal ein gern gemachter Denkfehler wiederholt wird. Dem Männchen allgemein, und ganz besonders dem der Spezies Mensch, wird ein ununterbrochener Drang zur Weitergabe „seiner Gene“ unterstellt, was beim Lesen dieser Ausführung nicht nur eine Art 'ihm bewusstes Verlangen' impliziert, sondern auch quasi die Kenntnis voraussetzt, wie Fortpflanzung als solche funktioniert."

Der Arterhalt einer jeden Spezies ist der eigenen, also seiner speziell selektierten Form unterworfen. Das führte im Laufe der Evolution dazu unwillkürlich die Art zu erhalten, aber dieses komplexe Geschehen wurde nicht gewertet - von wem auch? Es wurde kopuliert, sich auch dabei verliebt oder der erotische Aspekt des Ganzen genossen. Hier übernahm der männliche Part im Tierreich auch keine Steuerung im evolutionären Sinne, sondern das Weibliche Geschlecht agiert im Sinne der Female Choice. Diese selektierte, das Leben erhaltende Strategie des Arterhaltes, gab es bereits bevor es Menschen gab. Wir sollten uns beim Betrachten und Werten der evolutionsbiologischen, also naturgemäßen Vorgänge von der irreführenden (patriarchalen) Idee einer planvollen bzw. gezielten Steuerung durch Irgendwen oder -was, freimachen. Weder denkt sich 'die Natur' was dabei, noch lenkt ein Gott "seine" Schöpfung.

Die Regulierung, wenn wir es überhaupt so nennen sollten, erfolgt innerhalb des sich selbsterhaltenden Systems 'Leben' durch die pausenlose Interaktion der Komponenten miteinander und all den vorhandenen energetischen, anorganischen und organischen Bedingungen auf unserem Planeten. Das Leben auf der Erde ist ein so komplexes Ereignis bzw. eine entstandene amorphe Masse an Lebewesen, bestehend aus MillBillTrilliarden Individuen. Mir persönlich scheint es nahezu lächerlich, jemanden dahinter zu vermuten, der sich das Ganze detailliert ausdachte und in Szene setzte. Auch das wird dem erwachenden Früh-Menschen (der Ausgangsspezies Trockennasenaffe von der Unterart Neugiernase) vermutlich so nicht bewusst gewesen sein. Die immer noch naiv daher geglaubte Vorstellung, der Mann hätte einen eingebauten Fortpflanzungsauftrag und ist sich dessen bewusst, geht am Umstand der unwillkürlich ablaufenden Lebensevolution vorbei. Der Mann hat zwar (wie in jeder Form und Spezies) den Hang seinen sexuellen Drang auszuleben, aber nicht um gezielt Kinder zwecks eigenen Arterhalt in die Welt zu setzen. Diese sich gegenseitige Bedingtheit hat sich selektiert und zwar noch vor der Entstehung des Menschen. Der (patriarchale) Wahn einer maskulin gesteuerten Bevölkerungspolitik würde sofort an der Female Choice aller freien Frauen scheitern, wenn nicht diverse Alphamännchen im Zuge eines überdrehten Bedürfnis nach Selbsterhalt sich angemaßt hätten brutale Gewalt anzuwenden um das naturgemäße Verhalten der Weiblichkeit in jeder Äußerung zu unterbinden. Und so wurde leider irgendwann die Idee des Vatertums aus der Taufe gehoben und unsere menschenartgerechte Lebensweise zerstört. Sonst könnten wir immer noch in Matrifokalen leben und es uns gut gehen lassen, auch der Mann.

Die Naturzeit des Menschen (Kontinuum), in der ein Kind als selbstverständlicher und natürlicher Teil eines Matrifokals bzw. einer Muttersippe lebte, machte den weitaus größten Teil unseres Menschendaseins aus, da es ja das Erbe des natürlich gewachsen (evolutionierten) Lebens ist. Dass heißt, es vergingen viele Jahrtausende in der die Spezies Mensch naturgemäß agierte und es einfach ein Selbstverständnis war, Kinder um sich haben, mit ihnen den Alltag zu verbringen und dafür zu sorgen, dass sie gut heranwuchsen. Es war ein in sich funktionierendes Kontinuum. Das gesamte Alltagsgeschehen (bis hin zur erotische Seite des Arterhaltes) blieb vermutlich lange, lange ohne die willkürlichen Vorgaben durch Eliten. Und bis dieses durch das sogenannte Patriarchat (in Form von etablierten Herrschern,Vätern und Göttern) endgültig zerschlagen wurde, waren alle Kinder in der elementaren Obhut ihrer Mütter und deren Angehörige geborgen. Die Zeit, in der ihr natürliches Potential das Fundament der übergangslosen Fürsorgegemeinschaft bildete, wurde in vielen Brüchen durch die patriarchöse Gewaltherrschaft unterspült und das Kind (das Individuum) einer patri-kulturellen Wertung in Bezug auf seine Nützlichkeit unterworfen.

In dem männlichen Drang, seinem sexuellen Bedürfnis nachzugeben, eine besondere Bedeutung für den Arterhalt hinein zu fabulieren, ist ein spezifisch maskulin-menschlicher Kultureffekt, der eigentlich nichts mit der natürlichen (biologischen) Selektion zu tun hat. Hier soll die (gewalttätige) Entstehung und Kultivierung des Patriarchats auf eine evolutionäre Ebene gehoben werden und die so einfach nicht richtig ist. Das Patriarchat/die Patriarchose mag alles mögliche haben, aber keinen biologischen Wurzeln. Wir haben es hier mit Theorien/Ideologien zu tun, die im Zuge patriarchaler Machtergreifungen entstanden und gewaltsam etabliert wurden.

Die Sexualität der Frau, ihre Gebärfähigkeit sowie ihre Kompetenz den Nachwuchs aufzuziehen, über verschiedene Methoden im großen Stil zu kontrollieren, entstand aus herrschaftlich initiierten und somit gesellschaftspolitischen Gründen. Diese allumfassende Kontrolle der Frau ist ein wesentlicher Marker des Patriarchats.

Noch ist kein Mann auf die Welt gekommen, der naturgemäß so ausgestattet ist, dass sein Körper auf die erfolgreiche „Zeugung“ (z.B. hormonell) eines Kindes reagiert. Dass heißt, wenn ein Mann gewiss wüsste, dass er der Vater eines bestimmten Kindes ist, ohne dass es ihm jemand sagt oder ohne dass die sozialen Umstände die Vermutung aufkommen lassen, dann wäre es biologisch! Das Ur-Naturell bedeutet, dass der versorgende Vorgang des Arterhaltes an das weibliche (Ur)Geschlecht (unter nachträglicher Einbeziehung des männlichen Geschlechts) gekoppelt ist. Die verschiedenen Spezies haben unterschiedliche Strategien das Männliche in das Umsorgen des Nachwuchses einzubinden oder auch nicht. Beim Menschen waren bzw. sind Söhne und Brüder bezogen auf eine Mutter, lediglich ein aktiver Teil der Fürsorgegruppen. Wenn das Kontrollieren der weiblichen Sexualität und der sogenannten Fortpflanzung zu einem zwingenden Bestandteil des Arterhaltes einer / unserer Spezies notwendig wäre, weil sonst kein Kind mehr zur Welt käme, dann könnte man(n) von biologischen Wurzeln sprechen. Aber seit Anbeginn steuert die Female Choice der Frau (der Weiblichkeit) den Arterhalt. Das mütterliche Prinzip ist unsere biologische Radix...

Schlussgedanken: 
Brauchen wir immer neue Zukunftsvisionen  oder reicht die Wiederentdeckung des artgerechten Menschseins

Die fehlenden Matrifokale dieser Welt…
Die Mensch ist wie alle Lebewesen, auf Interaktivität angewiesen und speziell als menschliches Individuum lebt sie (er) von Natur aus in einer intensiven energetischen Bezogenheit auf ihre Bindungsangehörigen und die sonstige Umwelt.

Wird z.B. ein Kind in die bindungsarme, ungeborgene Welt der urbanen Patriarchose geboren, fehlen ihm schon mangels zuwendender Anzahl an sanguinen Angehörigen von Anbeginn die benötigten Bindungserlebnisse. In der Regel gibt es eine Bindungsperson – meist die eigene Mutter - und darüber hinaus ist der (artgerechte) Background spärlich besiedelt. Aber was hier und da darüber hinaus geht ist optional aber kein Standard. Es könnte der Kindsvater mehr oder weniger dauerhaft anwesend sein. Es tauchen besuchsweise Verwandte auf und sind meist nach Stunden oder Tagen wieder verschwunden. Die betreuende Hebamme wird immer seltener. Ein sogenanntes Wochenbett, in der die Mutter und das Kind intensiv betreut wird, ist in der Moderne nicht mehr üblich. In der unmittelbaren Wohnumgebung des Kindes gibt es vor allem viele und meist oder ausschließlich nicht-verwandte Personen. Wand an Wand wohnende Nachbarn, denen kind nur im Treppenhaus begegnet oder regelmäßig auftauchenden Menschen, die in der Nähe ihren Arbeitsplatz haben. Die Flut an Unbekannten, vielleicht früher oder später Bekannten oder im Idealfall Freunden der Familie, sind die Menschen, die das Durchschnittskindes in Folge mehr oder weniger regelmäßig zu Gesicht bekommt und zwar in der Regel häufiger als die eigenen Großeltern oder andere Anverwandte. Ist unser Beispielkind nicht zufällig bereits ein Geschwisterkind, verbringt es erst einmal ein sehr angehörigenarmes Leben. Ein unnatürlicher Zustand für das kleine Mitglied der Spezies Mensch.

Das Kind ist also umgeben von Fremde, die mehr oder weniger Anteil an ihm nehmen. Sie begegnen dem Kind vielleicht freundlich oder lassen es ihren Unmut spüren, ignorieren es ganz und gar oder schaden ihm. Alles ist möglich und all diese Möglichkeiten sind in unserer Gesellschaft tradiert. Den meisten Eltern ist es sogar lieber, wenn ihr Kind nicht zu sehr zur Kenntnis genommen wird. Der in der Gesellschaft weitgehend anonyme Nachbar kann hilfreich sein, aber auch ebenso zu einer Gefahr werden. Und da Vater und Mutter mehr denn je Tagsüber abwesend sind um einer Erwerbstätigkeit nach zugehen, werden staatliche und behördlich sanktionierte Fremdbetreuungseinrichtungen bevorzugt. Dort geht in der Regel alles mit rechten Dingen zu. Die Kinder sind gut aufgehoben und die Betreuerinnen verlässlich und lieb. Das fremdbetreute Kind ist aus den bekannten Gründen ein Standard unserer Kultur. Vor allem deshalb weil seit Jahrzehnten ein Heer von (überwigend männlichen) Experten, die mehr Ideologen waren/sind als tatsächliche Kenner eines Kindergemüts, nicht müde werden zu behaupten, dass es normal sei ein Kind mit einer nahezu lächerlich geringen Zuwendung von wohlmeinende Menschen auskommen zu lassen und dass diese Lebensumstände somit in Ordnung gehen. Der traurige Witz dabei ist, dass das Kind in der Regel tatsächlich damit „auskommt“.

Unser Überlebensprogramm mit seiner Anpassung an die „beste aller Welten“ sorgt schon dafür. Wir können daher ein Kind hinschicken oder parken wo wir wollen, wenn wir es äußerlich unversehrt zurück bekommen, lautete im Allgemeinen die Expertenmeinung: es hat ihm nicht geschadet.
Nun im Prinzip kann man das so sehen und später fragt dann auch niemand mehr, warum ein bestimmter Mensch ist, wie er ist und ob sein früheres Leben in Ungeborgenheit und mangelnder Nähe zu seinen Bindungsangehörigen, die Ursache für eine Vielzahl von Störungen oder gar Krankheitsbilder sein könnte. Jede Erfahrung, die ein Kind macht und die zu einer Prägung (im Sinne des Überlebens) führt, ist erst einmal geschehen (vegetativ prägend, siehe z.B. Schmerzgedächtnis) und wird gespeichert (manchmal auch irreparabel – siehe Traumata ).

Ein Kind, ob groß oder klein, ohne Not wegzuschicken und wenn auch nur für eine gewisse und sich wiederholende Zeit, ist der eigentliche gesellschaftliche Makel der heutigen Zeit. Allerdings ein gesellschaftlich anerkannter Makel, der wahlweise als notwendig oder als nicht veränderbar angesehen wird. Kinder weitgehend sich ihrer selbst zu überlassen und ohne Unterstützung in die Konfrontation mit fremden Menschen zu zwingen, erscheint den meisten als Notwendigkeit und ist auch keine moderne Erscheinung. Im Gegenteil – das "verraten und verkaufte" Kind ist ein weiterer Marker des patriarchalen Systems. Das Kind des Patriarchats lebt potentiell ungeborgen und prinzipiell mutterlos. Wobei 'Mutter' hier als Synonym für das fehlende artgerechte Matrifokal steht.

Es ist also nicht beliebig ob fremde, also nicht angehörige, Personen die Betreuung zeitweise oder gar dauerhaft übernehmen. Je jünger das Kind ist, desto größer die Verunsicherung und die Todesangst in einer Situation der Verlassenheit. Heute können wir uns nicht mehr auf den wahnsinnigen Standpunkt berufen, dass kleine Kinder nichts fühlen. Die Verarbeitung von täglichen Verunsicherungen bis hin zu grausamen Erfahrungen im Kleinkindalter bleibt dem Kind überlassen und wird von der Erwachsenenwelt immer noch kaum thematisiert. Aber die in ungeschützten Situationen gemachte Erfahrungen wirken sich aus (natürlicherweise schon immer). Sie hinterlassen Spuren, legen sich im epigenetischen Speicher ab und prägen die Persönlichkeit. Die bereits erkannte Konsequenz lautet: "Unser Alltag ist ihre Kindheit!"

Ob der unmittelbare Nähekreis aus (erwachsenen) Personen besteht, die dafür bezahlt werden, dass sie sich dem Kind zuwenden oder weil sie dessen Mutter (vorübergehend) zugetan sind oder ob Angehörige einer Mutter und ihrem Kind gegenüber Bindungsgefühle bereitstellen (die ihnen naturgemäß, hormonell usw. vorgegeben sind), ist daher durchaus von Bedeutung. und zwar für jedes prägungsbereite Kind, das in diese Welt hineingeboren wird und in dieser aufwächst.

Das frühe Distanztraining, dass wir gedankenlos unseren Kindern angedeihen lassen, fördert im Endeffekt den bindungslosen, latent verunsicherten Erwachsenen, der sich um jeden Preis einen Fremden als Lebenspartner suchen muss, da ihm unsere Gesellschaftskultur nicht gestattet mit seiner Angehörigengemeinschaft weiterhin unmittelbar zu interagieren oder gar in ihr zu verbleiben.
Diese Art von natürlichem Verlangen wird beargwöhnt, verlacht und als schädlich erachtet. Was aber immer wieder vom, durch die patri - infizierten Wissenschaft gesteuerten, Mainstream übersehen wird, ist die logische Tatsache, dass dieses Zusammenbleiben eine frühe Überlebensstrategie der Menschen war. Kein (jugendliches) Mitglied musste die Sippe dauerhaft verlassen, weder die Söhne und schon gar nicht die Töchter - Jahrtausendelang wäre das der Untergang der ansonsten artgerecht lebenden Fürsorgegruppe gewesen.

Vor langer
Zeit hielt ich mal in einer Gruppe einen Minivortrag und begann mit den Worten: „Nicht jede Frau wird in ihrem Leben eine Mutter sein, aber jede Frau ist die Tochter einer Mutter. Jeder Mensch wird von einer Frau geboren und in unserer Kultur trägt diese die Bezeichnung: Mutter!“ 

Eigentlich eine Binsenweisheit, aber damals noch ein Aha-Effekt. Denn es war nicht üblich Frauen (oder Männer) bewusst auf die unauflösliche Verquickung mit ihrer Mutter hinzuweisen. Sie sozusagen mit dem Abhängigkeit von der biologischen Komponente allen Seins zu konfrontieren. Damals war es auch noch üblich ständig den Satz zu hören: 'Familie kann man sich nicht aussuchen, Freunde schon' (und den Mann fürs Leben erst recht). Dabei kam kaum eine Frau auf die Idee, dass es historisch gesehen eine sehr junge Errungenschaft war, dass eine Frau unter patriarchalen Verhältnissen selbst frei wählen konnte (auch um zum Beispiel der erdrückenden Macht einer patriarchalen Mutter zu entkommen).

Für einige Frauen war eine Heirat und die Distanzierung von den Eltern, speziell von der Mutter, der Sprung in die individuelle Freiheit. Es war der Moment wo aus der gegängelten Tochter die autarke Frau wurde, die wenn sie einmal selbst Mutter ist, alles besser machen wollte. (damalige Glaubenssätze wie: 'Frauen, Mädchen, Kolleginnen untereinander sind natürliche Rivalen bzw. die größten Feinde', war auch ein quasi nicht hinterfragtes Selbstverständnis).
Alle anwesenden Frauen, die mir damals in der Gruppe gegenüber saßen begannen sogleich über das schlechte Verhältnis zu ihrer Mutter zu reden. Ich war die offenbar einzige, die keine entsprechenden emotionsgeladenen Konflikte ins Feld führen konnte und auch wollte. Zudem war ich bereits Mutter von drei erwachsenen Töchtern (die einer von ihnen und ihren zwei kleinen Töchtern zusammenlebte) und so erschien es mir gerade absurd, dass ein Mutter-Tochter-Verhältnis von Natur aus problematisch sein sollte. Aber damals ging es uns in den Frauengruppen, die zwischen einem politischen und einem esoterischem Ansatz hin und her pendelten, um die selbstbewusste Frau, die sich erstmal als freie Tochter dieser Erde begreifen sollte.

Die Frau wollte nicht nur politisch ihre Selbstbestimmung erwerben, sondern auch ihre individuelle Weiblichkeit und Spiritualität leben. Es galt sich von den Dogmen der Minderwertigkeit der Frau, den engstirnigen Konventionen der westlichen Welt sowie den sexualfeindlichen Standardreligionen zu lösen. Leider war den meisten der ausschließlich patriarchalen Ursprungs dieser Parameter der Gesellschaft nicht bewusst.

'Die Mutter' bzw. die Mütter, grundsätzlich als Teil der Verschwörung gegen die Töchter der Welt anzusehen, kam als moderner Reflex daher. Da war die Solidarisierung mit den Schwestern der Welt zu dem Zeitpunkt ein beachteter Fortschritt. Die eigene Mutter als Opfer der Patriarchose zu sehen und sie dabei als den Menschen zu begreifen, der mir trotzdem naturgemäß am nächsten steht, soweit waren viele Frauen noch nicht.

Und wo stehen wir heute? Noch immer ist 'die Mutter' ein umstrittenes Phänomen in unserer westlich geprägten und nach wie vor androzentrierten, patriarchalen Hochkultur. Dabei ist ein jedes Mutter – Wesen, also nicht nur die menschliche Mutter, Quelle und Garant des (tierischen) Lebens.

Inzwischen wissen wir, dass die frühen Gruppierungen bestehend aus Müttern und ihren angehörigen Schwestern und Brüdern, Töchtern und Söhnen, sowie den essentiellen Großmüttern im evolutionären Sinne des 'Selbsterhalts im Arterhalt' die Grundlagen des Menschseins gestaltete.
Oder wie auch gesagt wurde: „Unter Matrifokalität, die bis vor 8000 Jahren weltweit die einzige Sozialordnung war, hat der Mensch bereits alles erfunden, was uns heute Wohlstand ermöglicht.“ - die Urheberin dieses Zitates finde ich bestimmt noch wieder (mein Gedächtnis ist leider auch nicht mehr was es mal war)

Meine Zusammenfassung des Kulturprinzips formuliere ich gern so: 
Jede der (ursprünglichen) Kulturtätigkeiten ist ein Nebenprodukt des menschlichen Arterhalts und somit eine Errungenschaft unserer Vormütter!

Eine neue Weltkultur (nicht zwingend Ordnung) kann sich nur auf dem Bewusstsein des artgerechten und damit matrifokalen Menschseins gründen. Dass setzt die selbstbestimmte Frau, auch im Sinne der natürlichen Female Choice, und die Anerkennung der Lebensgemeinschaftsform der Mutter-Sippe, also 'Das Matrifokal', voraus. Miteinander konsanguin verwandt zu sein und praktisch den Alltag gemeinsam teilen und gestalten, sollte zur (auch gesetzlich) anerkannten Lebensgemeinschaft werden. Das bedeutet: das naturgemäße Matrifokal ist der immer noch üblichen klassischen (patrilokalen und patrilinearen) Familie mindestens gleichzusetzen. Die konsanguine Verwandtschaft der Muttersippenmitglieder (Sipplinge) sollte nicht mehr durch eine Heirat oder sonstigen Paarbeziehung (mit einem Nicht-Verwandten) völlig außer Kraft gesetzt werden.

Jedes Menschenkind wurde einst in sein Matrifokal hineingeboren und blieb als selbstbestimmt interagierendes Individuum bis zu seinem Tod angehörig. Eine Jedes der Angehörigen war/ist in die Gesamtverantwortung eingebunden und berechtigt an der sphärischen Geborgenheit zu partizipieren sowie die Fürsorge für alle mit Allen zu teilen. Dieser artgerechten Basis unseres Menschseins sollte wieder Rechnung getragen werden.

Das patriarchale Gesellschaftssystem ist nicht nur widernatürlich, es ist ein andauernder Gewaltakt gegen 'die Frau' und damit auch gegen ihre Kinder. Die sich immer mehr verschärfende Situation der alleinerziehenden Mütter, die durch unsere Gesetzeslage, die Justiz und dem zunehmenden Terror der sogenannten Väterrechtler noch mehr ins soziale Abseits gedrängt werden, ist gerade in Deutschland ein offensichtliches und trauriges Beispiel dafür. Wir sollten wir uns alle fragen:
  • Wie sehr beschäftigt sich generell die heutige Frau mit den Fragen des Menschseins und was das wirklich für sie, ihr Kind und alle anderen bedeutet?
  • Sind das immer noch mehr die Themen von patriarchatskritischen Ausnahmedenkerinnen oder verinnerlichen wir bereits unsere grundsätzlichen mütterliche Kompetenz?
  • Wenn wir Visionen in den Raum stellen, die Gegenwart und Zukunft in einem idealisierten Zustand zeigen, wem nützt das? Den Frauen und Kindern dieser Welt oder wieder nur den privilegierten Männercliquen?
  • Haben wir unsere evolutionäre Vergangenheit verstanden? Können wir sie von der begrenzten Vergangenheit der patriarchalen Kultur unterscheiden?
  • Verfallen wir in den Fehler, die auch eine bestimmte Männerriege vertritt, die uns weismachen will, dass das was wir heute glauben, definitiv schon immer so war. Erkennen wir die ständigen Denkfallen?
Fragen wir also weiter: Wie begann das Leben und warum sind wir Menschen wie wir sind? Was ist menschenartgerecht und was verstehen wir unter 'human' oder naturalistisch … denn wie gesagt: Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.

Stephanie Ursula Gogolin, Lüneburg 07112016





zu meiner Person und zu meiner Intention:

...alle Fragen die Menschheit und die Entstehung der Welt betreffend, wurden schon seit Urzeiten von allen Seiten betrachtet und weder die (spirituelle) Sinnsuche noch die empirische Wissenschaft hat bisher für ein Jedes eine zufriedenstellende Antwort gefunden. Mein persönlicher Ansatz die Gesamtheit des Seins zu erfassen, begann eigentlich mit der brennenden Frage wie wurde die Mensch zum Menschen. Das wäre eigentlich eine Beschäftigung für eine Evolutionsbiologin oder Evo-Historikerin, ich bin nur eine Frau, die schon immer Fragen stellte und nach Antworten suchte. Heute bin eine Großmutter, deren Suche noch nicht abgeschlossen ist und die sich als freischaffende Evolutionsphilosophin bezeichnet. … und meine unermüdliche Arbeit reicht weit in die Zukunft, denn ich habe elf Enkeltöchter und einen Enkelsohn ...
Mein Name ist Stephanie Ursula Gogolin und außer in meinen Weblogs Alltag, Waschweib und Kurz und Prosa hab ich noch nichts veröffentlicht.
Ich sehe mich als "freischaffende Evolutionsphilosophin", da ich mich schon fast mein ganzes Leben mit nur einem Thema beschäftige - seit Kindertagen denke ich über das Entstehen und den Sinn des Daseins nach. Und für mich habe ich die einfache Formel gefunden: Leben ist des Lebens Sinn.
Mein Denken zu den theoretischen aber auch aktiven Auseinandersetzung mit den Lebensverhältnissen bedeutet, dass ich schon früh anfing die Verhältnisse, die mir viel zu lange system- und konventionskonform übergestülpt worden waren, zu hinterfragen und abzuklopfen. Besonders unter dem Aspekt, ob sie für mich und die allgemeine Weiblichkeit tatsächlich berechtigt sind. Einen Großteil meines Lebens verbrachte ich damit, mir meine vielen Fragen selbst zu beantworten. Fragen, die mir weder in der Schule, im Umfeld der Religion, in der gesellschaftlichen Leitkultur, noch in meinem persönlichen Umfeld zufriedenstellend beantwortet werden konnten. Es gab einfach niemanden der oder die es hätte tun können und hier erging es mir sicherlich wie vielen anderen Frauen.
Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich also mit Geschichte, insbesondere der verdrängten wirklichen Historie der Weiblichkeit. Dabei landete ich zwingend im Naturgeschehen der menschlichen Matrifokalität - der Mütterbezogenen, generationsübergreifenden, geschwisterbasierten Urgemeinschaft. Meine Betrachtungsfelder sind außerdem die grundlegenden vorhandenen Gesellschaftsstrukturen und die Auswirkungen der patriarchalen Gesellschaft auf Kind, Frau und Mann (also die generelle Problematik der Familie bzw. der aktuellen Kleinfamilie). Ebenso stehen die wirklich wichtigen Frauenthemen in meinem Fokus: das Verhältnis von Großmüttern, Müttern und Töchtern und Schwestern sowie das Verhältnis zu ihren Söhnen und Brüdern. Und ich forsche an der Darstellung des uralten Zusammenspiels der Geschlechter unserer Spezies Mensch. Aber vor allem untersuche ich die (naturgemäßen und gesellschaftlichen) Aspekte des Menschsein in seiner artgerechten Ausprägung - also unsere eigentliche, naturbezogene Daseinsform - die in unserer patriarchösen Gegenwart nicht so recht gelingen will. Als vierfache Mutter und zwölffache Großmutter verfüge ich über reichlich persönliche Erfahrung und Einsicht in diese Thematik...
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